Die Medienwelt macht eine grundlegende Verwandlung durch: Während einzelne Personen durch Facebook, Twitter und vor allem YouTube zu gefeierten Stars werden, bangen Printmedien und auch Online-Portale um ihr Überleben.

YouTube: Blindes Vertrauen mit verheerenden Auswirkungen

Die Medienwelt macht eine grundlegende Verwandlung durch: Während einzelne Personen durch Facebook, Twitter und vor allem YouTube zu gefeierten Stars werden, bangen Printmedien und auch Online-Portale um ihr Überleben. Welche Auswirkungen die Meinungsäußerung der neuen YouTube-Stars in ihren Videos auslösen können, ist vielen dabei nicht bewusst. Schon lange sind gedruckte Zeitungen vom Aussterben bedroht. Ein neues Phänomen jedoch ist, dass auch Online-Portale und TV-Sender um ihre Existenz kämpfen müssen. Das Augenmerk der Nutzer wendet sich mehr und mehr auf die Video-on-Demand Angebote und somit auch auf YouTube. Besonders beliebt sind Videos, in denen man zusehen kann, wie Videospiele gespielt werden, oder auch Tutorials, in denen Zuschauer lernen können, wie sie Make-up richtig auftragen sollten und wie sie Dinge selber herstellen können.

Daaruum, Dagi Bee, Simon Unge und Gronkh zählen zu den erfolgreichsten YouTubern Deutschlands und erreichen mit ihren Videos ein Millionenpublikum. Hunderttausende abonnieren die Social-Media-Kanäle der YouTube-Stars, um keines deren Videos zu verpassen. Diese wahnsinnige Reichweite ist im Kontext des Videoportals besonders bedeutsam, da es sich bei dessen Zuschauern es nicht immer um erwachsene Menschen, sondern vor allem um noch leichter beeinflussbare Kinder handelt. Gerade mit einer solchen Reichweite, wie sie ein paar wenige YouTuber erreichten, ist es wichtig zu überdenken, was dem Publikum durch die Videos vermittelt wird.

„Unprofessionelles Vollidiotenverhalten“

Dass diese Reichweite des Öfteren zu falschen Zwecken genutzt wird, kritisierte der Moderator Jan Böhmermann zuletzt in einem aktuellen Interview mit dem Youtube-Kanal zqnce. Die Handlungsweise der YouTuber als „unprofessionelles Vollidiotenverhalten“ beschreibend, weißt Böhmermann vor allem über die möglichen politischen Auswirkungen hin: „Wenn Dner, ein 19 jähriger YouTuber, seine 1,4 Millionen Let’s Player ein halbes Jahr lang damit zurieselt, dass er bei der Bundestagswahl gern die AfD wählt, in völliger Unkenntnis dessen, was er da eigentlich macht und was für eine Reichweite er da eigentlich hat und was für eine Verantwortung das mit sich bringt und ich nichts anderes gemacht habe als nur seine eigenen Äußerungen von vor einem Jahr aufzuzeigen. Wenn das dann schon dazu reicht quasi den Mob mit brennenden Mistgabeln und dreißig wehenden Reisigbündeln auf den Marktplatz zu treiben, dann haben wir noch einiges vor uns.“

Vor allem bedenklich findet er, dass YouTuber meist nicht bedenken, wen sie mit ihren Videos und somit auch mit ihren unterschwelligen Appellen erreichen: „Dessen Fans sind 10 bis 16 jährige Leute. Die können zwar noch nicht wählen, aber die nehmen das so ernst, wie Leute das ernst genommen haben, dass sich Take That aufgelöst haben und sich deswegen vom Balkon gestürzt haben vor 15 Jahren. Das ist eben das, was die Bravo vor zwanzig Jahren bedient hat, bedienen heute YouTuber nämlich die Sehnsucht nach einem Star zum anfassen – vermeintlich – der einem Muster vorlebt, der eine Art Vorbild ist, dessen Kunst man toll findet.“

Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung

Wie Böhmermann schon befürchtete, besteht durch die sowohl fahrlässige, als auch leichtfertig genutzte Macht der sogenannten „Stars“ eine dringende Gefahr des Missbrauchs mit verheerenden Auswirkungen auf die Politik. Besonders umstrittenen politischen Parteien, wie der AfD, gelingt es auf diese Weise erleichtert Anhänger zu finden, da sich diese weniger dessen bewusst sind, wem sie ihre Stimme verleihen, sondern vielmehr auf die Meinung ihrer „Vorbilder“ aus dem Internet vertrauen.

Von Lisa Wallbraun

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