Scheitern. Neuanfang. Stolz.

Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.
– Samuel Beckett

Es ist Montag, ich sitze in einer langweiligen Vorlesung mit dem Titel „Öffentliches Recht“ und höre sowieso nicht zu. Ich weiß ganz genau, dass ich nur hergekommen bin, um mein schlechtes Gewissen zu besänftigen. Und damit meine Mutter sieht, dass ich an einem Dienstag nicht mit Freunden Kaffee trinken gehe, sondern in der Uni sitze.

Genauso gut hätte ich aber auch zuhause bleiben können. Oder Kaffee trinken. Weder dem Professor noch mir tue ich mit meiner Anwesenheit einen Gefallen. Eigentlich habe ich schon seit dem letzten Semester gemerkt, dass Jura nichts für mich ist und dass ich mich wohl doch anders entwickelt habe. Auch wenn es immer mein Traum war (dachte ich zumindest) Rechtsanwältin zu werden, haben sich die Pläne wohl geändert.

Nun bin ich leider schon im vierten Semester, kann ich da überhaupt noch abbrechen? Ich bin ja quasi schon fast am Ende des Grundstudiums. Einfach durchziehen, wird schon irgendwie!

„Wir sind so stolz, dass unsere Tochter Jura studiert. Sie wird sicher einmal erfolgreiche Anwältin.“, höre ich meine Eltern zu einem Bekannten sagen. Genau das ist einer der Gründe, weshalb ich den Schritt immer noch nicht gewagt habe. Angst. Angst, meinen Eltern zu sagen, dass ich „versagt“ habe. Einfach dazu zu stehen, dass dieses Studium eben nicht die richtige Wahl war und ich vielleicht nochmal nach etwas anderem schauen sollte.

Viel zu lange habe ich diese Entscheidung mit mir rumgetragen. Im Endeffekt solange, bis mich die Uni exmatrikuliert hat, da ich die Prüfungen nicht bestanden habe.

Meine Eltern haben die Nachricht, dass ich mit Jura aufhöre und mir nochmal Gedanken darüber machen möchte was ich WIRKLICH studieren will natürlich nicht mit einem Freudestrahlen empfangen, aber sie waren nicht sauer (das was ich befürchtet hatte) und haben mich natürlich unterstützt.

Als diese Last erst einmal von mir gefallen war, konnte ich wieder durchatmen. Nicht, dass mir das Studium gar keine Freude bereitet hat. Aber ich habe anhand meiner Lust, die Uni zu besuchen und etwas fürs Studium zu tun, gemerkt, dass es nicht das Richtige ist.

Natürlich ist jeder Studiengang in irgendeiner Art und Weise eine Herausforderung, allerdings sollte man trotzdem Spaß haben an dem was man tut.

Nun bin ich 23 ½, nochmal im 3. Semester und die meisten meiner Studienkollegen sind 3 Jahre jünger als ich. Aber ich bin mehr als glücklich, den Schritt gewagt zu haben und nochmal einen komplett anderen Studiengang gewählt habe. Im Endeffekt läuft im Leben selten was nach Plan.

Von Melina Rudigkeit

Bildnachweis: Von rawpixel  [Lizenz] via unsplash.com

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