Paleo Diät: Fleisch und Gemüse stehen im Fokus

Going Paleo: Essen wie die Höhlenmenschen

Low-Carb, Low-Fat, Detox-Kur: Der Fitnesstrend ist schon seit einigen Jahren wieder voll da und natürlich spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Eine Diätform, oder besser eine Ernährungseinstellung ist Paleo. Für mich ist es anfangs schwer vorstellbar, was an dieser Diätform so besonders sein soll. Im Grunde darf ich alles essen, solange es nicht weiterverarbeitet ist? Und muss ich dafür jetzt wie ein Höhlenmensch leben?

Um das herauszubekommen und um Paleo richtig zu verstehen, habe ich mich eine Woche lang nach diesem Prinzip ernährt und bin dabei zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Was ist Paleo überhaupt?

Der Begriff Paleo ist die Kurzform für den Zeitraum des Paläolithikums, der Altsteinzeit. Auch „Steinzeitdiät“ genannt, orientiert sich die Paleo-Diät an der ursprünglichen Ernährung der Jäger und Sammler und setzt einen verstärkten Fokus auf hohe Lebensmittelqualität und Nachhaltigkeit. Die Grundlage bilden Lebensmittel, die in ähnlicher Form während der etwa 2,5 Millionen Jahre langen Evolution des Menschen verfügbar waren. Darunter fallen alle echten, unverarbeiteten und nährstoffreichen Lebensmittel in Form von Gemüse, Obst, Nüsse & Samen, Fleisch & Fisch, Eier und gesunde Fette.

Zu Beginn meines Experiments habe ich mich mit der Ernährungsberaterin Beatrice Zeise getroffen, um herauszufinden, auf was ich in der Woche achten muss, was ich essen darf und auf was ich verzichten muss.

„Einfach und unkompliziert – das Paleo Prinzip gibt dir keinen festen Plan vor. Es gibt bestimmte Grundsätze: Der Verzicht auf Getreide, Hülsenfrüchte und Haushaltszucker, das Vermeiden von Milchprodukten, Koffein und Alkohol oder regelmäßige stressfreie Bewegung im Freien und ausreichend Schlaf gehören unter anderem dazu. Dies muss man als eine Art Grundgerüst ansehen. Das Drumherum kannst du selbst bestimmen und individuell ganz nach deinen eigenen Bedürfnissen gestalten.“, sagte mir Beatrice Zeise in unserem Beratungsgespräch.

Immer essen, wenn ich Hunger habe? Gute Diät!

Also essen, wenn ich Hunger habe? Gute Diät. Alles geht, solange es unverarbeitet ist und kein Getreide, Zucker oder Milch enthält? Klingt für mich erstmal nicht nach einer großen Umstellung. Da sollte ich aber noch eines Besseren belehrt werden.

Nach meinem Termin beim Ernährungsberater machte ich mich auf nachhause und verbannte alles, was nicht zum Paleo-Prinzip gehört aus meiner Küche. Der Blick in den Kühlschrank war erstmal gar nicht so schlecht: Frisches Gemüse, abgepacktes Fleisch, ungesüßte Mandelmilch, Eier, etwas Salamiaufschnitt und Marmelade. Aber halt, Salami und Marmelade sind ja verarbeitete Produkte. Und noch viel schlimmer, in der Marmelade ist massenweise Zucker. Also weg damit, in eine Ecke des Kühlschranks die für die nächste Woche tabu ist.

Als nächstes war der Vorratsschrank dran. Hier kam die große Ernüchterung und das langsame Zweifeln, ob Paleo wirklich eine so gute Idee ist. Nudeln, Pesto, diverse Müsli, Aufbackbrötchen, Cola, Eistee und ein paar Knorr Fix Tüten. Leider alles nicht in der Paleo-Ernährung erlaubt.

Es ist Hochsommer. Und ich darf kein Eis essen. Damn!

Das Einzige, was blieb, waren ein paar Kartoffeln, Zwiebeln und Kräuter. Danach wagte ich einen Blick in den Tiefkühler. Hier wurde mir das erste Mal bewusst, das ich die nächsten Wochen nicht eben mal fix nach einem langen Tag aus Uni und Arbeit, zum Fertiggericht greifen kann. Pizza, Fertiggerichte zum aufwärmen, panierter Fisch und Pommes. Das alles musste weg. Aber was dann letztendlich viel schlimmer war, auch Eis kam auf die schwarze Liste. Und das in der Woche, wo endlich der Sommer nach Berlin kam und es richtig warm wurde. Egal, dachte ich mir, das werde ich schon überstehen.

Als ich durch meine Küche durch war und nicht allzu viel übrig geblieben ist, machte ich mich auf in den nächsten Discounter. Zum Glück hatte ich vorab von einer Freundin ein Kochbuch für Paleo bekommen, in der einige Rezepte standen, die ich die nächsten Wochen ausprobieren wollte. Unter anderem dabei waren eine Chili con Carne mit Guacamole und Lammspiesse mit einer Kokos-Minz-Sauce.

Im Supermarkt angekommen, ging ich direkt zu den „frischen“ Sachen. Ich legte aus der sehr mageren Auswahl etwas Obst und Gemüse in meinen Einkaufswagen. Dazu passend wäre ein gutes Stück Fleisch. Also holte ich noch etwas Hähnchen, Rinderhack und Lamm. Das könnte man bei dem guten Wetter auch schön grillen. Alles erlaubt in meiner Paleo-Ernährung.

Soweit so gut, dachte ich mir. Solange ich immer frisch koche, scheine ich ja auf nicht so viel verzichten zu müssen. In meiner Einkaufsroutine legte ich dann noch ein bisschen Käse und Brot in meinen Wagen. Stopp! Käse ist verarbeitet und ein Milchprodukt und Brot enthält Getreide. Also wieder raus mit beidem.

Auf der Suche nach einem geeigneten alternativen Frühstück, schaute ich mir hier und da das Kleingedruckte von abgepackten Lebensmitteln an, die ich sonst kaufen würde. Es war fast schon erschreckend, dass bei so gut wie jedem Produkt, Zucker als Zusatz aufgelistet war. Außerdem vielen mir häufig Zusätze von Emulgatoren auf. Des weiteren packte ich dann noch etwas Eier, Zwiebeln und Champignons für ein schönes Omelette ein. Viel mehr Ausbeute hatte ich letztendlich im Discounter um die Ecke nicht machen können.

Also versuchte ich es nochmal bei einem Biomarkt. Hier hatte ich eine große Auswahl an frischen Lebensmitteln. Dort bekam ich dann auch noch den Rest für meine ersten Tage als „Steinzeitmensch“. Allerdings zu einem deutlich höheren Preis als im Discounter. Möchte man sich immer strickt nach Paleo ernähren, wird man nicht drum herumkommen, mehr Geld für hochwertige, frische Lebensmittel auszugeben.

Anstatt Kaffee ein Glas Wasser: Steinzeitfrühstück eben

Am nächsten Tag war es dann soweit. Ganz routiniert stand ich mit dem Weckerklingeln am Morgen auf, ging in die Küche, um mir meinen morgendlichen Kaffee zu machen. Aber nicht an diesem Morgen. Den Kaffee gibt es in einer Paleo Ernährung nicht. Also trank ich ein Glas Wasser und machte mich fertig, um ins Büro zu fahren. Als ich in der U-Bahn saß, dachte ich schon darüber nach, was es heute wohl in der Kantine geben würde. Und viel wichtiger, was ich davon essen dürfe. Ein Blick auf den Speiseplan verriet, dass wird heute eine kleine Ausbeute und viel Kreativität fordern. Im Büro angekommen, war ich froh, dass wir immer frisches Obst parat liegen haben. So war mein Frühstück, mit einer Banane und einem Apfel, auch gerettet.

Um 12:30 Uhr war es dann soweit: Mittagspause. Es gab ein Gericht, das mein Interesse geweckt hatte. Ich fragte die Dame hinter dem Tresen, ob in dem Gericht nur frische Zutaten verwendet wurden, und was genau drin sei. Zu meiner Ernüchterung wurde in bei Gericht mit Geschmacksverstärkern gearbeitet. Also war ein Gang zur Salatbar unumgänglich. Hier konnte ich mir einen frischen Salat zusammenstellen und sogar frisch gebratenen Hähnchenstreifen drauf tuen lassen. Bei dem Dressing wurde es dann schon wieder schwieriger. Hier blieb mir nur die Wahl zu etwas Kürbiskernöl.

Zu meinem Erstaunen war ich schon nach dem ersten Tag positiv beeinflusst. Ich hatte nicht das übliche „Tief“ am Nachmittag. Das hing wahrscheinlich damit zusammen, dass ich nicht so „fett“ und „schwer“ gegessen hatte. Am Abend, als ich wieder zuhause war, machte ich mir noch gefüllte Paprika mit Rinderhack. Klingt erstmal alles nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass ich hier eine „Diät“ mache. Was ich aber auf jeden Fall schon bemerkt habe: Ich gehe bewusster mit dem um, was ich zu mir nehme.

Bier ist nicht, selbstgemachte Limonade tut’s aber auch

Die nächsten Tage liefen ähnlich. Morgens gab es keinen Kaffee, dafür Obst. Mittags Salat und manchmal als Snack am Nachmittag ein bisschen Studentenfutter. Am Ende der Woche, wollten dann ein paar Kollegen zum Feierabend noch was trinken gehen. Das Wetter war ja mehr als nur gut. Bei 30 Grad um 19 Uhr konnte man sich gut noch ein paar nette Stunden mit einem kühlen Bier an der Spree machen. Das Bier gab es allerdings nur für die Anderen. Ich griff dann zu einer frisch zubereiteten Limonade ohne Zucker, die glücklicherweise in der Bar angeboten wurde.

Am darauffolgenden Wochenende traf ich mich, bei weiterhin sommerlichen Temperaturen, mit Freunden zum Grillen. Hier war es für mich mittlerweile ein leichtes, etwas Geeignetes zum Essen zu finden. Mit etwas Öl, frischen Gewürzen und Kräuter selbst mariniertes Fleisch, etwas frischer Salat und eine Süßkartoffel aus dem Ofen mit Guacamole. Mir gefiel Paleo so langsam, da es keine klassische Diät war, wo man auf alles verzichten muss, was lecker ist.

Als das Fleisch auf dem Grill brutzelte und es, durch den Mix aus Holzkohle und verbrannten Kräutern, richtig nach Sommer roch, verstand ich, dass Paleo einem nichts grundsätzlich verbietet. Mit der Ernährungsweise schaut man bewusster auf das, was man isst und versucht dabei immer auch auf seinen eigenen Körper zu hören und nicht auf die Werbung, die von der Industrie tagtäglich auf einen einprasselt.

Auch Paleo: Man verwendet alles vom Tier, nicht nur das Filet

Eine Sache, die mir noch aufgefallen ist, Paleo versucht alles vom Tier zu verwerten. Nicht nur das Filet, sondern auch Innereien wie Leber, Herz und Gehirn. Das passt auch super ins Bild, da „billiges“ Fleisch aus Massentierhaltung bei Paleo Anhängern eh nicht auf den Tisch kommt und stets auf hochwertiges Fleisch geachtet wird. Da bietet es sich doch an, und ist auch sehr umweltfreundlich, nicht die Hälfte wegzuschmeißen. Mein Fall sind Innereien aber definitiv nicht, deswegen lief mir auch schon das Wasser im Mund zusammen, als mein Hähnchen vom Grill fertig war.

Am Sonntag war dann vorerst mein letzter Tag mit der Paleo-Diät. An die Tatsache, dass ich morgens keinen Kaffee mehr bekam, hatte ich mich relativ schnell gewöhnt. Vor einer Woche wäre es mir bei dem Gedanken, dass ich auf Kaffee, Zucker und Milchprodukte wie Käse verzichten muss, noch eiskalt den Rücken herunter gelaufen. Aber schon nach nur einer Woche, hatte ich mich sehr daran gewöhnt. Das schlimmste für mich war aber tatsächlich der Verzicht auf Brot und andere Produkte auf Getreidebasis, wie beispielsweise Pizza.

Paleo ist gar nicht so schwer wie man anfangs denkt. Die Lebensmittel, die man essen darf, gibt es meist überall zu kaufen und spätestens im Biomarkt wird man fündig. Dabei muss einem aber auch bewusst sein, dass man mehr Geld für Lebensmittel ausgibt, da man auf eine höhere Qualität achtet. Und wenn man täglich frisch kocht, ist das natürlich auch ein höherer Kostenfaktor.

Mit der Nachhaltigkeit ist es bei Paleo nicht weit her

Dem Aspekt, dass Paleo nachhaltiger sein soll, kann ich dann aber nicht zustimmen. Diese Ernährungsform ist sehr fleischlastig und wenn jeder immer so viel Fleisch essen würde, ist das nicht grade ein Vorteil für das Wohl der Tiere.

Dennoch muss ich als Fazit nach meiner Woche mit der Steinzeitdiät sagen, Paleo hat mir die Augen geöffnet und etwas ganz wichtiges mitgegeben: Gehe bewusster mit deiner Ernährung um und hör auf deinen Körper! Diese Tatsache werde ich mir definitiv zu Herzen nehmen und mit offeneren Augen durch den Supermarkt gehen. Wenn ich weiß, dass ich hochwertigere Produkte kaufe und damit mir und der Umwelt etwas Gutes tun kann, nehme ich einen höheren Preis gerne in Kauf.

Von Patrick Stemmler

Bildnachweis: Von Loija Nguyen [Lizenz] via unsplash.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.