Snapchat’s ungewöhnlicher Weg an die Börse

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, hat der neugegründete Mutterkonzern von Snapchat, Snap Inc. bereits Anfang November die nötigen Papiere für den geplanten Börsengang bei der SEC eingereicht. Damit wagt Evan Spiegel (Gründer und CEO) nun den nächsten Schritt in der noch sehr jungen Unternehmensgeschichte. Snap Inc. wird nach erfolgreich abgeschlossenem Börsengang zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt aufsteigen. Experten glauben, dass Snap Inc. etwa um die 20 bis 25 Milliarden US Dollar wert sein könnte.

Der Schritt an die Börse birgt für das Unternehmen allerdings auch viele Risiken. So könnte Snap Inc. ein ähnliches Schicksal erwarten wie Twitter, dem einst so hochgehandelten Konkurrenten, der nach seiner eigenen IPO im vergangen Jahr den hohen Erwartungen nicht gerecht werden konnte. Um dies zu vermeiden, geht Evan Spiegel mit Snapchat einen ganz anderen Weg. Eine App, deren einstiger Hauptbestandteil das Versenden von Bildern und Videos war, die sich nach 24 Stunden automatisch in Luft auflösen, ist nun nur noch ein Teil des Plans. Seit der Unternehmensaufteilung und Neugründung des Mutterkonzerns Snap Inc. vor ein paar Monaten, hat sich Snapchat neu positioniert. Das Unternehmen, so CEO Evan Spiegel, sieht sich nun vielmehr als eine Kamerafirma und nicht mehr als reines soziales Netzwerk. Das unterstreicht auch die Vorstellung der Spectacles.

Spectacles are the next big thing


*via Snapchat Youtube Kanal 

Mit den Spectacles hat Snapchat viele User überrascht, aber auch gleichzeitig einen neuen „Hype“ unter Nutzern ausgelöst. Anders als bei Google Glass entschied man sich bei Snap Inc., nicht den klassischen Weg bei der Veröffentlichung der Brille zu gehen. Es wurden bewusst wenige Modelle zu Testzwecken an Brancheninsider herausgegeben. Kaufen kann man die 130 Dollar teure Brille, derzeit nur über willkürlich aufgestellte Bots.  Ist man unter den Glücklichen, die in der Nähe eines solchen Bots wohnen, muss man nur noch ein wenig Ausdauer mitbringen, denn kurz nach Bekanntgabe des Ortes bilden sich bereits lange Schlangen vor den Shops. Die Brille ist meist sehr schnell ausverkauft.

Durch diese Maßnahmen erhofft man sich bei Snapchat zwar den Hype um die Brille lange aufrecht zu halten, könnte aber auch schnell viele Nutzer durch die bewusste Verknappung vergraulen. Bereits jetzt verbreiten viele User ihren Frust über Soziale Medien. Nichtsdestotrotz hat sich Snapchat eine neue Einnahmequelle und Standbein erschaffen, welche den Weg an die Börse unterstützen wird und die Position der Marke Snap langfristig stärken wird.

Besonders nach der Einführung von „Instagram Stories“ vor einigen Monaten musste man sich breiter aufstellen, da man nicht mehr der alleinige Anbieter des Story-Formats ist. Die große Nutzeranzahl von Instagram (500 Millionen Nutzer, davon 100 Millionen aktive Instagram Stories Nutzer) war es wichtig, diesen Schritt zu gehen.

Snapchat is the new television

snapchat-television-iphone*Bild von picjumbo {CC0 Public Domain} 

Wie einige Experten, besonders aber Gary Vaynerchuk schon lange sagen, ist unser Smartphone heute das Fernsehen von morgen. Daher wird in Zukunft der Fokus vermehrt auf „mobile first“ Produktionen für Plattformen wie eben Snapchat liegen. Das hat Snapchat nun auch selbst erkannt und plant, dieses Potenzial weiter auszubauen. Mit „Stories“ führen die Nutzer selbst Regie über ihre eigene „reality tv show“. Bald soll es aber auch Eigenproduktionen aus dem Hause Snapchat geben. Dabei will man sich an Netflix Originals orientieren. Laut Berichten befindet sich NBCUniversal bereits in der Entwicklung solcher Snapchat Mini-Shows. Wie Techcrunch berichtete, soll es sich dabei um Ableger erfolgreicher Shows wie etwa The Voice oder E! News handeln.

Snapchat will darüber hinaus noch das eigene Angebot an News-Sendern ausbauen und verbessern. Viele Jugendliche und immer mehr Erwachsene nutzen Snapchat bereits täglich. In den USA liegt die Nutzung der 18 bis 25jährigen bereits bei etwa 37%. Bei 25 bis 34jährigen sind es bereits 26%. Dieser Trend zeigt, dass Snapchat schon lange nicht mehr nur eine Plattform für Teenager ist. Und genau dort liegt auch Potenzial für neue Formate, wie etwa News-Sendungen.

Es bleibt abzuwarten ob Evan Spiegel seine Pläne optimal umsetzen kann und den Weg an die Börse erfolgreicher gestaltet als dies noch bei Twitter der Fall war. Die Zeichen hierfür stehen jedoch mehr als gut, auch wenn durch Konkurrenzprodukte aus dem Hause Facebook (Messenger, Instagram oder Whatsapp) der Markt immer dichter geworden ist.

von Marcel Möller 

Bildnachweis (Titel): By MIH83 {CC0 Public Domain}

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