Erik Koszuta Partei der Wähler

Nach dem Schulabbruch werde ich Politiker!

Schulabbrecher, Buchautor, Parteigründer: Mit 19 hat Erik Koszuta schon Einiges auf die Beine gestellt. Ein junger Mann, der anders denkt, anders lebt und es der Gesellschaft zeigen möchte. Sein Programm: Keine Schulnoten, freies Internet und Energiewende sofort!Erik Koszuta veröffentlichte mit 12 sein erstes Buch. Mit 15 verfasste er unter dem anspruchsvollen Titel „Herausforderungen meiner Generation“ seine Sichtweise auf eine bessere Welt. Ein Jahr später verließ er die Schule, weil ihm das Bildungssystem nicht passte. Und noch ein Jahr später gründete Erik Koszuta seine eigene Partei, die Partei der Wähler.

Ein ambitionierter junger Mann mit großen Träumen, der die Welt verbessern möchten. Realist oder Schaumschläger? Wir haben mit Erik Koszuta gesprochen.

Erik fordert in seinem Parteiprogramm für die Partei der Wähler (PdW) eine drastische Umstrukturierung unseres Bildungssystems.

Terminal Y: Wie schätzt du eure Chance für eine erfolgreiche Umsetzung in der Politik ein?

Erik Koszuta: Sicher gibt es da viel Gegenwind. Aber wir haben die PdW ja nicht gegründet um den einfachsten Weg ohne Widerstand zu gehen. Wir möchten zeigen: Alles ist möglich. Auch Noten wurden irgendwann einmal eingeführt und seitdem nicht mehr ernsthaft in Frage gestellt. So wie man sich vor vielen Jahren auf diese Form der Bildung durch Notenbewertung geeinigt hat, so können wir heute ein neues Bildungssystem gestalten – ohne Noten. Dazu gehört eine reflektierte Einschätzung, welche man schon im frühen Alter lernen sollte. Ein Mensch ist keine Zahl und sollte auch nicht als z.B. Eins oder Sechs angesehen werden. Nur ein Bildungssystem, welches auf Begleitung und Förderung der Persönlichkeiten aufbaut, wird die gewünschten mündigen Bürger hervorbringen, welche das Schulgesetzt fordert!

Terminal Y: Ein weiterer Punkt eures Parteiprogramms ist der freie Zugang zum Internet. Denkst du nicht, dass es da sinnvoller wäre, Konzerne wie Facebook oder Google um Unterstützung zu bitten?

Erik Koszuta: Ja, warum nicht. Als Partei sind wir die politischen Vertreter von Interessen und Meinungen. In diesem Fall fordern wir den uneingeschränkten Zugang zum Internet – Das ist das Ziel. Sich für dieses Vorhaben Hilfe bei funktionierenden Weltkonzernen zu holen, erscheint mir da sinnvoll. Internet ist heute ein so elementarer Bestanteil, um am öffentlichen und sozialen Leben teilzunehmen, dass es auf jeden Fall für Jedermann zugänglich gemacht werden muss!

Terminal Y: Welche Ideen und Pläne hast du, um das Berliner Startup Netzwerk weiter auszubauen und Berlin somit noch interessanter und konkurrenzfähiger zu machen?

Erik Koszuta: Gerade die Startup Szene hat unglaubliches Potenzial und besitzt große Kreativität. Wie Arbeit dort umgesetzt wird ist das, was die PdW mit selbstbestimmten Arbeiten meint. Was Gründern am Anfang fehlt ist die finanzielle Stabilität. Deswegen fordern wir das Grundeinkommen, um auch jungen Gründern eine Grundsicherung zu geben und somit Raum für Kreativität und Innovation zu schaffen. Wir wünschen uns, dass der Geist der Startup Szene auch in viele andere Arbeitsplätze einzieht und dort Flexibilität und Innovation möglich macht.

Terminal Y: Du setzt in deinem Parteiprogramm auch auf eine verstärkte Energiegewinnung durch erneuerbare Energien und die Verringerung der CO2 Emissionen. Wie wollt Ihr dies umsetzen?

Erik Koszuta: Im Großen hat Deutschland sich bereits für die erneuerbaren Energien als Energiequelle der Zukunft entschieden. Im Plan der Bundesregierung wird für 2050 eine Energieversorgung aus 80% erneuerbaren Energien angestrebt. Was die konservative Regierung für realistisch hält, ist uns jedoch zu langsam. Der Klimawandel ist jetzt! Und deswegen wollen wir alle Kräfte dafür aufbringen und die Energiewende so schnell wie möglich schaffen. Dafür müssen wir uns ehrgeizige Ziele setzen. Unser Fokus liegt dabei auf den Energiequellen Sonne, Wind und Erdwärme. Beim Klimawandel können wir es uns nicht leisten kleine Schritte zu machen. Dafür sollten wir große finanzielle Mittel bereitstellen. Als die Atomkraft damals aufgebaut wurde, wurden Unmengen von Geld in dieses Vorhaben gepumpt. Das ist meiner Meinung nach bei den erneuerbaren Energien wieder notwendig. Viel wichtiger als ein geregelter Einstieg der erneuerbaren Energien in den Freien Markt, ist die Rettung unseres Planeten!

Terminal Y: Für eine erfolgreiche Zulassung zum Wahlverfahren braucht Ihr unbedingt 2.200 beglaubigte Unterschriften. Wie weit fortgeschritten sind eure Bemühungen heute und welche Initiativen wollt und könnt Ihr noch ergreifen, damit dieses Vorhaben gelingt.

Erik Koszuta: Im Moment sind wir fleißig am sammeln. Das heißt dann auf den Straßen präsent sein und von Tür zu Tür zu ziehen. Ich denke nur so können wir es schaffen die notwendige Anzahl an Unterschriften einzusammeln. Wir sammeln außerdem in den Bezirken Treptow-Köpenick, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte Unterstützungsunterschriften, um an den Wahlen zur BVV teilzunehmen.

Terminal Y: Mit 19 Jahren wärst du auch der jüngste Abgeordnete im Bundestag. Was kann die Politik von deiner Generation lernen?

Erik Koszuta: Ich möchte zeigen: Politik ist Meinung vertreten. Und Meinung haben wir alle, egal ob man 19 Jahre oder 65 Jahre ist. Ich möchte zeigen, dass wir für unsere Ideen und Lebenskonzepte einstehen können und unserer Stimme Gehör verschaffen sollten. Politik besteht im Moment zu großen Teilen aus Alpha-Attitüden und Selbstgefälligkeit. Das steht einer zeitgemäßen Politik, welche zum Wohle der Menschen ist, absolut im Weg! Ich erwarte von Volksvertretern Authentizität und möchte mich auch selber nicht verbiegen. Politiker sind Menschen – und als Menschen sollen sie auch Entscheidungen treffen, die das gute Leben von Menschen möglich machen.

Unser Fazit: Seiner Stimme Gehör verschaffen – dieses hehre Ziel zeigt in der Umsetzung handwerkliche Schwächen. „Weil Wähler Wähler wählen“ wirbt die PdW in ihrem Facebook-Auftritt und ähnlich fundiert erscheinen auch manche Argumente der Jung-Politiker aus Berlin.

  • Schule ohne Noten: Gerne, aber dann bitte in allen 16 Ländern
  • Freies Internet: Cool, aber heißt das, die Telekom wieder zu verstaatlichen?
  • Klimawandel sofort: Stimmt, lasst uns die Grünen wählen!

Manchmal braucht es Mut und Realitätsferne zugleich, um zu beginnen. Auch wenn Eriks Wünsche wahrscheinlich nicht umsetzbar sind, respektieren wir ihn für seine Courage.

Von Marcel Möller

Bildnachweis: Julius Erdmann (www.erikkoszuta.de)

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