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Gefährliches Gemüse: Was kann Bio wirklich?

Wäre die Lebensmittelindustrie ein Mensch, würde man sagen: Das war wohl nicht dein Monat. In den letzten vier Wochen erreichte uns eine schlechte Neuigkeit nach der anderen: das Gemüse, das Verbraucher tagtäglich in Supermärkten kaufen, enthält laut neuesten Untersuchungen chemische Pestizide. Unkalkulierbar nannte Greenpeace die Risiken. Nur wenige Tage später, die nächste Hiobsbotschaft: Rotes und verarbeitetes Fleisch sei krebserregend, verkündete die Weltgesundheitsorganisation WHO. Anfang November setzte die ARD-Sendung „Haushaltscheck“ noch einen drauf und deklarierte auch die Lebensmittel-Verpackungen als gefährlich. Sie enthalten Mineralölreste, die, wie soll es anders sein, Krebs auslösen können. Besonders belastet seien dabei Bio-Verpackungen.

So ganz kalt lassen diese Meldungen wohl kaum jemanden. Sollte besser ganz auf Fleisch verzichtet werden? Ist es besser, nur noch Bio-Produkte zu kaufen? Oder ist alles doch nur Panikmache?

Zumindest auf letztere Frage scheint es Antworten zu geben. So hat Greenpeace beispielsweise herausgefunden, dass Bio-Obst und -Gemüse tatsächlich nicht mit den gefährlichen Pestiziden belastet sei. Die europäische Bio-Verordnung kontrolliert die Lebensmittel genau, weiß Bio-Experte Conrad Thimm: „Die Bio-Bezeichnung ist für Lebensmittel geschützt. Man kann etwas nicht einfach Bio nennen, was nicht Bio ist. Es dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, keine Kunstdünger und keine Gentechnik verwendet werden, auch nicht bei der Verarbeitung“, erklärt Thimm. Kaufe man Bio, lebe man also tatsächlich gesünder, so die Meinung des Diplom-Agraringenieurs.

Discounter vs. Bioladen

Bio-Lebensmittel sind häufig teurer als konventionelle Produkte, was viele Verbraucher vom Kauf abhält. Dieser Problematik haben sich Lebensmitteldiscounter angenommen und begonnen, eigene Bio-Marken in ihr Angebot aufzunehmen. Die Produkte mit grünem Siegel kommen gut an. Doch ist Bio vom Discounter tatsächlich genauso gut wie das aus dem Bioladen? „Ja“ lautet die Antwort von Bio-Experte Thimm. „Gerade große Konzerne haben nicht die geringste Chance, die Bio-Verordnungen zu umgehen, sie würden sich damit angreifbar machen“. Teilweise seien die Konzerne sogar Vorreiter in Sachen organische Kost. Aldi und Lidl waren die ersten Discounter, die die Menge an Schadstoffen in ihren Produkten heruntergeschraubt haben. Nur noch 30% der maximal zugelassenen Schadstoffmenge ist in ihren Produkten enthalten. Nur die Auswahl an Bioprodukten ist in den Discountern noch recht gering.

Massennachfrage gleich Massenproduktion

„Leider wächst die Fleischnachfrage schneller als die Erzeugung“, benennt Thimm ein großes Problem der Fleischindustrie. Das sei auch der Grund, dass es trotz jeder Kritik immer noch Massentierhaltung gibt. „Die Nachfrage ist viel zu hoch. Und das nicht nur hier bei uns, sondern auch in Schwellenländern, wo man das gar nicht erwartet. Bei dem derartigen Fleischkonsum ist keine Bioversorgung möglich“, so Thimms ernüchterndes Urteil.

Die Massentierhaltung ist eben sehr rentabel, genau wie der konventionelle Landbau mit Einsatz von Pestiziden und Gentechnik. Bio brauche viel Fläche, viel Geld und mehr Zeit, meint Experte Thimm.

Begrüßenswert wäre eine stärkere Einbeziehung des regionalen Landbaus in die Lebensmittelindustrie. Denn selbst wenn eine Mango als bio deklariert ist und ihr Anbau gänzlich ohne Pestizide und Chemie auskam, so müssen viele Lebensmittel immer noch tausende Kilometer zurücklegen, bis sie bei uns auf dem Teller landen.

Von Pauline Schnor

Bildnachweis: Photo by Brooke Cagle

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