Hasskommentare im Internet: Im Schutze der Anonymität

Wie ich gelernt habe, mit Hass im Internet umzugehen

Als öffentliche Person im Internet zu stehen, ist nicht immer einfach. Mittlerweile verfolgen 100.000 Menschen mein Leben auf Instagram, meinem Blog, Snapchat und Youtube. Dass da nicht immer nur Harmonie und Frieden herrscht, kann man sich denken.

Wie auch im echten Leben kann man es besonders online nie jedem recht machen. Lädt man ein Bild von sich selbst hoch, hagelt es neben Kommentaren wie „Oh bist du hübsch“, und „Tolles Bild“ auch Sätze wie „Fettes Schwein“ oder „Du solltest mal lieber abnehmen“. Ist man an einem Ort und schwärmt darüber, heißt es: „Da war ich auch schon, ist voll scheiße da.“ Und postet man sein Essen, heißt es „Sieht aus wie Kacke.“ Menschen verstecken sich hinter der Anonymität des Internets und beleidigen einfach drauf los.

Ich im Bikini. Reaktion: „Du fettes Rindvieh“!

Als ich mit Social Media angefangen habe, war ich noch schüchtern. Mittlerweile habe ich durch meine Präsenz in der Onlinewelt nicht nur mehr Selbstbewusstsein bekommen, sondern auch eine harte Schale was Beleidigungen angeht.

Zugegeben der erste negative Kommentar hat mich ganz schön aus der Bahn geworfen. Ich erinnere mich noch genau daran. Im Türkeiurlaub 2014 habe ich ein Bikinibild von mir aus dem Meer gepostet. Ein Kommentar darunter lautete „Du fettes Rindvieh“. Diese zwei Worte haben mich dermaßen an mir zweifeln lassen, dass ich kurz davor war, das Foto wieder zu löschen. Obwohl ich eigentlich genau wusste, dass ich nicht wie ein fettes Rindvieh aussehe.

Trotzdem habe ich mich an dem Tag zehn Mal öfter als sonst im Spiegel angeschaut und beim Buffet einen Gang weniger gegessen als die vorherigen Tage. Bis heute erinnere ich mich genau an diesen Tag und die Emotionen die diese Worte in mir ausgelöst haben.

Es folgten drei weitere Jahre und viele weitere negative Kommentare. Im Verhältnis würde ich sagen, dass von allen Kommentaren, die ich jemals erhalten habe 10% negativ waren und 90% positiv. Aber wie es halt so ist: Negatives bleibt stärker in Erinnerung.

Du bist nicht das, was andere über dich sagen

Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Menschen die hinter solchen Kommentaren stecken, meist unzufrieden mit sich selbst sind oder gar neidisch. Irgendwann habe ich angefangen, darüber zu lachen, auch über Sätze wie „Du stehst in der Öffentlichkeit, wunder dich doch nicht, dass du beleidigt wirst.“

Doch, ich wundere mich. Ich muss mich nicht sinnlos von fremden Menschen beleidigen lassen. Es gibt junge Mädels, die deshalb magersüchtig werden. Es gibt Menschen, die sich aufgrund von Cybermobbing umbringen.

Was man sich immer zu Herzen nehmen sollte: Was andere Menschen über dich sagen, sagt nichts darüber aus, wer du wirklich bist! Ich lasse mich von niemandem mehr so schnell kränken oder beleidigen, ob online oder in der realen Welt. Konstruktive Kritik: Ja. Sinnlose Beleidigungen: Nein.

Von Melina Rudigkeit

Bildnachweis: Von Colin [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons

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