Übergepäck: Koffer schwer, Portemonnaie leicht

Es sollte ein ganz normaler Rückflug aus einem erholsamen Urlaub werden. Doch die Flughäfen sind in letzter Zeit nicht nur durch Streiks in die Medien geraten. Wie verärgerte Touristen berichten, gibt es auch noch anderweitig Kritik: Übergepäck wird immer teurer.

Es ist nicht selten, dass Urlauber neben Sonnenteint auch noch ein paar extra Kilos mitbringen. Nein, nicht auf den Hüften, sondern im Koffer. Am Check-In Schalter wurden diese durch das obligatorische Wiegen aufgedeckt und das Gepäck durch „Heavy-Sticker“ als übergewichtig gekennzeichnet. „Bei einer fünfköpfigen Familie, kommt da schon ordentlich etwas zusammen“, berichtet ein Familienvater.

Vielleicht soll so den aktuellen Lohnforderungen entgegengekommen werden, spekuliert man in der Warteschlange. Doch falls dem nicht so ist, sind die hohen Beträge, von mittlerweile 15 bis dreißig Euro pro Kilogramm im Fall Air-Berlin, nicht mehr zu rechtfertigen.

Die Fluggesellschaft verdoppelte bereits die Preise vor einiger Zeit von fünf auf zehn  Euro pro extra Kilo auf Mittelstrecken- bzw. Kurzstreckenflügen. Mittlerweile betragen die Preise 15 Euro für jedes weitere Kilo für die so genannte „Zone 1“, beispielsweise das Ziel Mallorca. Geht es für Flitterwochenurlauber in die Karibik so kostet Übergepäck schon dreißig Euro pro Kilogramm mehr.

Sollte man den Koffer richtig prall füllen und zehn Kilo über die normale Grenze kommen, so muss das Übergepäck sogar vor Antritt der Reise am Service-Schalter angemeldet werden. Als „Adipositas-Koffer“ gilt jedes Gepäckstück, das die Zwanzig-Kilogramm-Marke knackt, denn so ist die Regelung der Freigepäckgrenze für Mittel- und Kurzstrecke.

„Jedoch hat man diese extra Kilos schnell in den Koffer gepackt und der große Schock kommt dann meistens erst am Check-In Schalter“, berichtet eine Touristin aus der Schlange. Immerhin darf jede Person noch Handgepäck mitnehmen – doch auch dieses ist genormt wie die Models auf dem Catwalk. Das Handgepäck darf die Abmessungen 55 mal 40 mal 20 Zentimeter nicht überschreiten. Außerdem ist nur ein Gesamtgewicht von 6 Kilogramm bzw. 8 Kilogramm mit Laptop für Handtasche und Co erlaubt.

Darüber hinaus gilt aus Sicherheitsgründen die Regelung, dass jeder Passagier nur ein Handgepäckstück mit sich führen darf. Da stellt sich wiederum die Frage, ob es hier generell um die Sicherheit geht. Denn genau diese sollte sich normalerweise nicht erkaufen lassen. „Wenn wir drauf zahlen, dann wird das Gepäck ja schließlich nicht leichter.“, so ein Urlauber im Wartebereich.

Außerdem sind die Preise für Sportgepäck und andere hobbymäßige Ausrüstungen gestiegen. Möchte man mit seinem Fahrrad nach Mallorca fliegen kann man schon mal bis zu hundert Euro blechen. „100 Euro kostet mich der Flug für mein Fahrrad und anmelden musste ich das schon vorher“, berichtet ein Sportler vor dem Rückflug.

Das Flugticket fürs Hobby kostet nun bald so viel wie das eigene. Für einige stellt sich da die Frage, ob das so noch fair ist. „Schließlich müssen Übergewichtige auch nicht draufzahlen, obwohl sie ja mehr auf die Waage bringen und das Gesamtgewicht des Fliegers deutlich erhöhen können“, so eine Wartende. Es liegt auf der Hand, dass man den Menschen durch solche Einschränkungen eventuell zu nahe treten könnte. Dennoch sind die teuren Preise für Übergepäck ein heißes Thema und der Konkurrenzdruck der Fluggesellschaften untereinander nimmt immer weiter zu. Viele günstige Angebote müssen schließlich auch finanziert werden, was sicherlich nur ein Grund für die steigenden Preise ist.

Von Freya-Alessa Hausmann

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