Selbstversuch: 168 Stunden offline

Ich wollte es wissen: Bin ich schon süchtig nach Facebook und Instagram? Wie fühlt sich ein Leben ohne soziale Medien an? Hört sich eigentlich nicht wirklich schwer an, oder?

Tag 1

Heute konnte ich ausschlafen, Uni fängt erst nachmittags an. Was mache ich als erstes nach dem Aufwachen? Richtig: Ich greife zum Smartphone. Unbewusst nehme ich es in die Hand und mir fällt ein: Das brauchst (und darfst) du nicht. Und so lege ich es einfach wieder beiseite.

Es ist 14.20 Uhr. Ich sitze in einer Vorlesung, alle haben ihre Laptops offen. Neben mir wird Facebook geöffnet und ich kann nicht anders, als unauffällig zur Seite zu schielen. Ich werde nervös und kann einfach nicht aufhören, auf den Laptop neben mir zu schauen. Es sind gerade erst ein paar Stunden vergangen und schon habe ich eine große Sehnsucht nach Instagram, Facebook und Co. Na, das kann ja noch was werden…

Tag 2

Mein Wecker klingelt, ich greife zu meinem Handy und sehe, wie mein Daumen über dem kleinen Facebook Icon schwebt. Meine Hände sind leicht zittrig. Nennt man das Entzugserscheinungen? Ich mache mir lieber Musik an, vielleicht übertönt sie ja meine lauten Sehnsuchtsgedanken nach sozialen Netzen.

Wieder in der Uni, wieder das gleiche Szenario. Auf den Laptops um mich herum sehe ich Facebook und Instagram offen und wieder versuche ich, strikt meinen Blick abzuwenden. Schließlich ertappe ich mich dabei, wie ich gebannt starre, ohne überhaupt etwas von dem Inhalt auf Facebook aufzunehmen und mir wird klar, dass ich meine Sucht kontrollieren muss.

Aufgrund von Krankheit gehe ich früher Heim und mache ein Nickerchen. Immerhin hält mich das davon ab, online zu gehen.

Tag 3

Immer noch am kränkeln, immer noch am schlafen, wieder aufwachen und erneut dahin dösen. In meinen wachen Phasen lese ich ein Buch, das ich morgen bestimmt schon durch haben werde. Ich gehe so gut wie gar nicht an mein Handy und über Nacht aufladen musste ich es auch nicht. Der gesamte Stromverbrauch manifestierte sich sowieso nur aus täglichem Starren auf das kleine, leuchtende Display. Irgendwie vermisse ich es schon (fast) gar nicht mehr.

Tag 4

Die Grippe hat mich eiskalt erwischt. Ich schlürfe Süppchen, trinke Tee und schlafe. Mein Handy liegt in der hintersten Ecke des Raumes, damit ich gar nicht erst in Versuchung gerate. Das Buch von gestern habe ich durch, heute muss ein neues her, sonst kann ich meine Social-Media-Abstinenz nicht garantieren! Krank sein ohne Facebook, Instagram und Snapchat ist eine Qual, denn ich langweile mich einfach zu Tode.

Wohin mit den Händen, wenn sie kein Smartphone festhalten? Ich hab's ausprobiert und eine Woche ohne Facebook und Co. gelebt
Wohin mit den Händen, wenn sie kein Smartphone festhalten? Ich hab’s ausprobiert und eine Woche ohne Facebook und Co. gelebt

Tag 5

„Hast du schon gesehen was X für ein krasses Bild gepostet hat?“ Nein, das habe ich nicht und nein, das will ich auch gar nicht mehr. Ich sitze krank im Bett und habe neben mir einen hohen Stapel Bücher liegen. Ich bin einfach nur kaputt und fertig, und es ist keine Hilfe, mich so kurz vor dem Ziel neugierig zu machen. Neugierig auf dieses neue Video auf Facebook, den skandalösen Instagram Post von Kylie Jenner oder diese und jene Snapchat Story. Eigentlich muss ich schon gar nicht mehr an Facebook denken, aber wenn ich daran erinnert werde, kriege ich immer noch leichte Schweißausbrüche…

Tag 6

Ich bin kurz vor dem Ziel und sehr kurz davor aufzugeben. Immerhin ist es nur noch ein Tag, was macht das für einen Unterschied? Aber nein, ich lasse es. Ich wiederstehe diesem lächerlichen Bedürfnis, auf Facebook online zu gehen. Ich bin immer noch krank zu Hause und lese. Doch es kommt in mir ein komisches Gefühl auf. Ich habe das Gefühl, etwas zu verpassen. Das Gefühl, das man hat, wenn alle zu einer Party eingeladen werden und du nicht hin gehen kannst. Genau so fühle ich mich.

Tag 7

Ich liege im Bett und höre ein Hörbuch, als plötzlich eine Nachricht auf meinem Handydisplay angezeigt wird. Sie ist von Snapchat: „Schau dir die Storys von X, Y und Z an!“ Ich werde vermisst! Wirklich, Snapchat? Kaum bin ich eine Woche abwesend, musst du mich daran erinnern, dass du existierst? Keine Sorge, ich habe dich nicht vergessen, jedoch habe ich vergessen, was so toll an dir ist.

Fazit

Erst jetzt merke ich, wie gesellschaftlich wichtig es ist, auf sozialen Netzen aktiv zu sein. Eine Woche lang war ich abgeschottet, und das nicht wegen meiner Krankheit. Man bekommt das Meiste nur noch über soziale Netzwerke mit. Anrufe und SMS sind Schnee von gestern. Wenn ich wissen will, was du so machst, dann rede ich nicht mit dir, sondern schaue online nach. Wir sind abhängig von unseren Smartphones, dem Internet und social networks. Ich denke wir alle bräuchten mal eine kleine Pause, in der wir offline gehen und in Ruhe darüber nachdenken, warum wir so viel Zeit auf Facebook, Instagram, WhatsApp, Snapchat, Twitter und wie sie sonst noch alle heißen, verbringen.

Mir ist nach dieser Woche aufgefallen, dass ich erleichtert und erholt bin. Eigentlich bräuchte ich das alles gar nicht, wenn es nicht zur gesellschaftlichen Norm gehören würde. Natürlich hat es einen gewissen Unterhaltungsfaktor, aber viel mehr auch nicht. Ich nutze soziale Netze nicht mehr, um „sozial“ zu sein, sondern weil ich diese Flut an Bildern, Videos und Unterhaltung brauche, wenn ich mich langweile.

Mein Tipp an alle: Geht mal offline. Egal ob nur für eine Stunde oder für einen Tag. Probiert es aus und denkt darüber nach, warum ihr soziale Netze überhaupt noch nutzt.

Mir ist klar geworden, dass es mir viel zu viel kostbare Zeit raubt. Komplett offline gehen werde ich nicht, aber ich werde Facebook & Co. viel bewusster und eingeschränkter nutzen. Vielleicht sehe ich dann irgendwann wieder den Sinn darin.

Von Fanny Huth

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