Neulich beim Mädelsabend: Warum wir single sind

Gestern Abend saß ich mit zwei alten Schulfreundinnen zusammen, die ich länger nicht gesehen hatte. Wir tranken gemütlich ein Paar Moscow Mules und unterhielten uns über Gott und die Welt. Wie an jedem klischeehaften „Mädelsabend“ – ich hasse diesen Begriff – kam das Thema Jungs auf.

Jeder von uns hatte einige Verehrer (ein weiteres Dreckswort), von denen es zu berichten gab. Irgendwelche Kerle, die man auf irgendwelchen Partys irgendwie kennengelernt hatte. Selbstverständlich nie etwas Ernstes, und selbstverständlich schrieb man ihnen nicht mehr zurück, wenn sie die Dreistigkeit besaßen, sich am nächsten Tag zu melden.

Nach einigen Minuten Ruhe, sagte meine Freundin: „Es ist so komisch. Warum „friend-zonen“ wir jeden? Alle anderen Mädchen freuen sich, wenn ihnen ein Typ schreibt, und ihnen hinterherjagt, und bei uns wird er gleich als Psycho abgestempelt.“

Ich zünde mir eine Zigarette an, fange an zu überlegen. Sie hat voll kommen recht. Jedes Mal, wenn ich mit einem Jungen rede, kommt mir nicht auch nur eine Sekunde lang in den Sinn, dass es zu mehr als einer Freundschaft kommen könnte, und bin desinteressiert, sobald er einen Schritt in diese Richtung wagt.

Neulich lernte ich einen Typen in einer Bar kennen. Wir unterhielten uns den ganzen Abend, gingen sämtliche Gesprächsthemen durch und hatten insgesamt eine sehr lustige Zeit.

Ich fuhr nachhause mit der Überzeugung, dass ich ihn nie wiedersehen würde, dass er aber ein netter Kerl sei, und dass der Abend alles in einem gut gewesen ist. Doch als er mir am nächsten Morgen schrieb, wie es mir gehe, wie schön der Abend war und ob wir uns wieder sehen könnten, begannen sich in meiner Erinnerung Wolken über seinem Bild zu Formen.

Was für ein Weirdo. Was bildet er sich denn ein? Dass er nach einem Abend belangloser Konversation das Gefühl hatte, mich wieder sehen zu müssen, war für mich absolut Absurd.

Warum? Warum haben wir eine solche Blockade vor der Aussicht, dass irgendetwas aus irgendeiner Begegnung werden könnte? Warum ist ein Typ für uns gleich ein Creep, wenn er auch nur anfängt, die Idee dass man sich ja mal wieder sehen könnte, aufzubringen?

Lange dachte ich, es ginge nur mir so, doch ich muss nach reiflicher Besinnung zu dem Entschluss kommen, dass die meisten Geschichten meiner Internatsfreundinnnen ähnlich oder gleich sind. Ist es also ein Knacks, den wir uns alle in unserer Schullaufbahn antrainiert haben? Aber wie kommt das?

Ich bin seit der 9. Klasse in einer katholischen Mädchenschule in einem kleinen Dorf nahe dem Arsch der Welt zur Schule gegangen. Ja, jetzt werden die meisten von euch denken, ach die prüden Klosterschüler, aber lasst uns an dieser Stelle erst mal alle Vorurteile über Bord werfen. Ich rede hier nicht von Sex, sondern von einer stinknormalen Beziehung. Von mir aus von Liebe. Warum ist Liebe für uns so etwas Undenkbares? So etwas unglaublich Unrealistisches?

In den ganzen vier Jahren, die ich im Internat verbracht habe, waren die meisten meiner Freunde single. Wir waren immer gerne für die Jungs die Sauffreundinnen, mit denen du, wenn du Lust hattest, von einem Mädchen unter den Tisch getrunken zu werden, einen unglaublich entspannten und lustigen Abend haben konntest. Klar, knutschten wir gerne viel rum, aber mehr? Mehr war nicht. Bis zum letzten Jahr hatten insgesamt glaube ich drei von uns feste Beziehungen.

Ich weiß noch, als meine Beste Freundin aus den Ferien zurückkam und erzählte, dass sie sich verknallt habe. „Er ist schon echt cool“. Mit diesem Satz wird sie heute noch verarscht. Unsere ganze Clique – scheiß drauf, ich habe bereits Mädelsabend und Verehrer gesagt – machte sich lustig über sie. Sie ist verliebt, wie kitschig.

Wie wäre es denn, wenn man einfach mal ganz verrückt sich der Perspektive öffnet, dass es ja doch möglich wäre. Dies nehme ich mir vor und gehe sogar auf einige Dates, gebe den Typen eine Chance. Nur um herauszustellen dass ich das nicht kann.

Von Luisa Goeler

Bildnachweis: Von Rene Böhmer [Lizenz] via unsplash.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.