Erfolgreich im Musikgeschäft mit der Gründung eines eigenen Labels?

Label-Gründung: Berufsstart im Musik-Business?

Deutschland ist der drittgrößte Musikmarkt der Welt. Knapp anderthalb Milliarden Euro setzt die Branche hierzulande mit CDs, MP3s und Streams jährlich um. Da stellt sich für Music Lovers natürlich berechtigt die Frage: Wie kann ich in diesem Markt erfolgreich Fuß fassen und mein Hobby zum Beruf machen? Und das, ohne selbst Musiker zu sein.

Der Einstieg ins Musikgeschäft kann von vielen Seiten erfolgen. Beliebt, weil Schnittstelle zwischen Künstler und Fans, ist die Gründung eines eigenen Labels. Labels werden im Musikgeschäft die Verlagsmarken genannt, unter denen die Aufnahmen in den Verkauf kommen und die durch ihren stilistischen Fokus quasi als Produktlinie funktionieren.

Es ist Wahnsinn, ein Label zu gründen

Doch wie funktioniert die Gründung eines Musik-Labels? Jörg Heidemann, Geschäftsführer des Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT) klärt auf: Es gehe heute nicht mehr nur um die künstlerischen Aspekte, die richtigen Musiker zu finden und spannende Aufnahmen zu realisieren. So wie sich das gesamte Musikgeschäft geändert habe, so ändere sich auch die Label-Landschaft. Heutzutage müsse ein Label eine 360-Grad-Perspektive einnehmen: „Management, Booking, Veröffentlichungen, Streaming, Promotion, Marketing auf allen Kanälen“ muss von einem Label eigenständig übernommen werden.

Es wird zunehmend schwieriger, Aufmerksamkeit zu erreichen und auch die Einnahmen werden immer kleiner. Oftmals stellen Labels keine Marker oder Leuchttürme mehr da. Sie sind nicht mehr identifikationsstiftend. So ist der heutige Label-Gründer kein verrückter und exzentrischer Künstler, sondern eine vielfältig aufgestellte und gestandene Unternehmerpersönlichkeit.

Was kostet es, ein Musik-Label zu gründen? Rund €10.000 sollte man mindestens veranschlagen. Dieses Budget setzt sich zusammen aus etwa 3.000€ Gründungskosten plus den Kosten für Mastering, Produktion, Gema etc., um das erste Werk in den Verkauf zu bringen. Das ist zunächst nicht die Welt, doch der schnelle Erfolg ist natürlich nicht gerantiert. Heidemann bringt seine Erfahrung auf den Punkt: Wenn man ein Label gründet, „muss man ein bisschen irre sein“.

Musiker sollten sich das passende Label suchen, und nicht direkt selbst gründen

Für Musiker ist die Gründung eines Labels sicherlich nicht der erste und wichtigste Schritt ins Musikgeschäft. Den Artists rät Heidemann, sich zunächst völlig auf die Musik zu konzentrieren und sich für die ersten Veröffentlichungen ein bereits existierendes Label zu finden. Dem Künstler soll klar werden, welches Label zu ihm passen könnte, welche Labels auf das Fortkommen von Newcomern setzen und diese unterstützen. Daraufhin muss man sich bei so einem Label bewerben, wie um einen Job. Es ist definitiv die falsche Entscheidung als Newcomer sofort alle Aufgaben alleine zu bewältigen. Wichtig sei es auch, eine „klare künstlerische Vision“ zu haben und fokussiert zu arbeiten. Je besser die Vorbereitung lief, umso erfolgreicher können die Musik und die Gründung des Labels werden. Drei Attribute die ein gutes Newcomer Label laut Heidemann ausmachen sind: Fairness, Transparenz und Offenheit im Umgang mit jungen Künstlern.

Die richtige Umgebung für Musik-Startups finden

Wie kann man als Musiker oder als Label heute seine Erfolgschancen beim Start erhöhen? Katja Hermes ist Geschäftsführerin für Sound Diplomacy Deutschland und kennt sich mit Städten und ihren unterschiedlichen Musikstrategien aus. Eine Frage, die wir ihr stellten, war, ob sich bestimmte Städte besonders gut für Newcomer anbieten. Pauschal lässt sich das wohl nicht sagen. Laut Hermes sind unerwarteter Weise mittelgroße Städte am strategisch sinnvollsten für Newcomer. Beispielsweise setzt sich die holländische Stadt Groningen mit dem Eurosonic Festival stark für ihren Nachwuchs ein. Aber auch die skandinavischen Länder setzen auf Förderung.

Bei Musikstrategien im Allgemeinen, geht es nicht nur um das Marketing der Stadt, sondern auch um die Entstehung einer besseren Musikszene. Wichtig dabei sei frühes Angebot von Musikkursen und Weiterbildung, welche die Stadt organisiert, erklärt Hermes. Aber auch für das Musikbusiness sind diese Strategien von höchster Relevanz. Durch gute Formate, Showcase Festivals und Weiterbildungen zu dem Thema „Wie kann man Geld verdienen und wie funktioniert eigentlich die Gema?“, verhilft man der regionalen Musikszene dazu, besser zu werden.

In einer Sondersendung berichtete Terminal Y auf bln.fm über Wege ins Musikgeschäft

Aber macht es für Newcomer Sinn, ihren Standort auf bestimmte Städte zu verlagern? „Eine Stadt gibt so etwas nicht vor“, sagt Hermes. Natürlich ziehen Leute für Förderungen in spezielle Regionen, aber deutschlandweit gibt es die initiative Musik, die städteunabhängig agiert. In Berlin gibt es beispielsweise das Musicboard und seinen Musikbeirat, die Berlin Clubcommission und die Berlin Music Commission, die auf die Nachwuchsförderung setzen. Unsere Hauptstadt gilt schon lange als Ort der Freiräume, so auch beim Thema Musik. Dennoch ändern sich einige Dinge – der Freiraum wird laut Hermes langsam verdrängt. Stichwort: Gentrifizierung. Mieten werden höher und das gilt natürlich auch für Proberäume. Generell sagte Frau Hermes über Berlin, „hier muss es alle Musikrichtungen geben“ und das trotz Gentrifizierung. Und das finden wir toll!

Von Lea Bohlmann

Bildnachweis: Von Nessquick, einige Rechte vorbehalten

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