Generation Junkie: Studium im Rausch

Über Jahrzehnte waren Drogen gesellschaftlich geächtet. Wer sie nahm, war ein Junkie, Abschaum oder ein Abbild von Christiane F. Heute sind Drogen en vogue. Eine junge Frau, die von ihrem Konsum erzählt.

Besonders in der Berliner Electroszene stehen Ecstasy, Koks und andere Aufputschmittel an der Tages-, besser gesagt Nachtordnung. Und es sind nicht mehr die Menschen vom Rand der Gesellschaft, die mit Drogen ihren Alltag vernebeln. Die Junkies von heute sind die Lehrer, Ärzte, Manager und Richter von morgen.

Ich habe mich im hippen Neukölln mit einer Studentin getroffen, die regelmäßig Speed, Koks & Co. konsumiert und dazu steht. Ich nenne sie Maria. Maria sitzt vor mir, zieht genussvoll an ihrer Zigarette und redet mit mir offen und ehrlich über Drogen. In der Hauptstadt Berlin natürlich gar kein Problem.

Zu Ihrer Person: Maria ist 20 und kommt ursprünglich aus einer norddeutschen Kleinstadt, verbrachte nach dem Abitur ein halbes Jahr in Australien und ist aufgrund ihres Studiums nach Berlin gezogen. Eine ganz normale junge Frau, wäre da nicht das kleine weiße Pulver, das ihr nächtlicher Begleiter ist. Maria studiert Jura und wird somit später zur gesellschaftlichen Elite Deutschlands gehören. Sie will Karriere machen und später wichtige Entscheidungen für andere Menschen treffen. Sie kommt aus einem behüteten Elternhaus mit großer Toleranz und Unterstützung. Also frage ich mich, was ihre Mutter dazu sagt. ,,Meine Mutter weiß es, sie feiert es natürlich nicht, aber sie akzeptiert es. Was bleibt ihr auch anderes übrig. Sie wohnt ja schließlich über mehrere Stunden weit weg, da kann sie eh nichts machen.‘‘

Beispiel Maria: Freunde + Musik = Drogen

Aber was bringt so ein junges Mädchen, eine Studentin, die Zukunft von Deutschland dazu Drogen zu nehmen? Bei Maria kommen zwei relevante Faktoren zum Einsatz: Freunde und Musik. Die mit dem Wort Speed noch viel mehr Sinn ergeben. Als sie nach Berlin kam, verbachte Maria ihre erste Studienwoche in einer WG voller Druffis, wie sie selbst betont. ,,Da bleibt einem ja schließlich nichts anderes übrig, als selbst mal zu probieren!‘‘. Getreu dem Motto 7 Tage wach, begann ihr Studienstart.

Besonders viel werden sogenannte Upper in der Berliner Electroszene konsumiert, also alles was einen beflügelt und hochpusht, wie Koks, Ecstasy oder Speed. Sogenannte Downer, also Gras oder Ketamin (Tiernarkosemittel) werden dann zum Runterkommen und Schlafen verwendet. Es ist trotzdem nur schwer erklärlich, wie sich ein Alltag, geschweige denn ein Studium, mit den kleinen Begleitern gestalten lässt. Befindet man sich kurz vor der Abhängigkeit? Braucht man Drogen um klarzukommen? Helfen Drogen beim Abschalten vom Studienstress? Manche trinken abends ein Bierchen, die anderen ziehen eine Line vom Spiegel – ist das vergleichbar? All diese Fragen habe ich Maria gestellt.

„Freizeit ist Teil meines Leben, deshalb sind auch Drongen Teil meines Lebens“

Sie sagt: ,,Freizeit ist Teil meines Lebens, ergo sind Drogen auch Teil meines Lebens. Man muss sagen, es hat sich eine gewisse Feierabhängigkeit entwickelt.‘‘ Aber was laut ihrer Meinung nicht geht, ist unter der Woche Drogen zu konsumieren, denn ,,dass fickt einen halt schon für drei Tage‘‘. Nicht unbedingt körperlich, aber emotional, wenn man von einem Trip runterkommt, muss man sich erstmal wieder an die Realität gewöhnen. Sie findet aber auch, dass es nicht das Gleiche ist sich eine Nase Speed zu geben oder ein Bier zu trinken. Drogen sind für sie noch etwas anderes und lösen in ihr auch ein anderes Runter- oder Rauskommen aus, als ein Bier. Speed, eine Droge die einen wach macht, auch für mehrere Tage, wenn man entsprechende Mengen konsumiert. Das klingt verlockend für die Woche der Klausurvorbereitung. Kein Schlaf, 24 Stunden lernen. Bei diesem Vorschlag schaut sie mir entsetzt ins Gesicht. ,,Auf gar keinen Fall! Ich kann mich null auf eine Sache konzentrieren wenn ich drauf bin. Da würde ich mir schon eher Ritalin holen. Aber ich habe eine Freundin die tatsächlich Speed nimmt, ist mir aber unerklärlich.‘‘

Vor allem die einfache Beschaffung der Drogen, wird vielen Studenten zum Verhängnis. Berlin, Kreuzberg, Görlitzer Park. Wer hat noch nicht davon gehört? Dort stehen zwei, drei Dutzend Dealer am Tag und bewerfen einen schon fast mit ihrer Ware. In Berlin ist es sehr einfach, seine Sucht zu stillen. Von Gras bis zu Koks, dort bekommt man alles. Aber nicht die Berliner. ,,Nur Touristen gehen in den Görli, ich bekomme mein Zeug meistens in den Clubs. Man muss nur 5 Minuten an der Toilette warten und wird dann gefragt. Das ist auf jeden Fall besseres Zeug, als von den Dealern im Park. Ich habe aber auch keinen festen Dealer, weil da kann man ja eher getrackt werden.‘‘ Breit grinsend gesteht sie mir, für Ihre Drogen bisher noch nie etwas gezahlt, sondern immer geschenkt bekommen hat. Ob von Freunden oder Fremden, die dann Freunde wurden. Meine Frage daraufhin, ob sie das davon überzeugt, nicht abhängig zu sein. Ein klares, dennoch nachdenkliches ,,Ja, ich habe alles unter Kontrolle.‘‘ wird mir entgegen geworfen. Das war eindeutig.

,,Ich habe nie direkt entschieden, ab heute nehmen ich Drogen. Mittlerweile besteht mein Freundeskreis aber schon aus 70% Menschen, die konsumieren.‘‘. Lachend fügt sie hinzu, ,,Vielleicht habe ich aber auch einfach die falschen Freunde. ‘‘

Von Lea Bohlmann

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