Black Mirror: Wie sieht unsere Zukunft aus?

Black Mirror: Eine kleine Geschichte über die Zukunft

Es ist früh am morgen, die Sonne ist gerade aufgegangen. Ich jogge meine Straße entlang mit Musik in den Ohren. Mein Blick ist auf mein kleines, leichtes Display in meiner Hand gerichtet. Es kommen mir weitere Jogger entgegen, von denen ich nicht einen kenne. Trotzdem setzte ich ein überfreundliches „Hi!“ auf und schicke der Gruppe eine fünf Sterne Bewertung mit meinem Smartphone, in der Hoffnung, dass sie mir auch fünf Sterne zurück schicken. Auch nach meinem Lauf schicke ich weiter fünf Sterne Bewertungen. An Personen, Bilder, Videos… alles auf meinem Feed.

Ich bin eine 4,2 von 5 und ich kann mich nicht beschweren. Ich gebe mir viel Mühe, bin immer freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Ich übe mein falsches Lachen morgens vor dem Spiegel und poste Bilder nicht, weil sie mir gefallen, sondern weil sie mir Sterne einbringen. Perfektion wird in unserer Gesellschaft erwartet, und als Gegenleistung gibt es Sterne, und mit den Sternen kommen die Vorteile.

Sobald man eine 4,5 ist, geht es nur noch nach oben. Man kriegt Geschenke, Rabatte, und wird generell bevorzugt. Meine beste Freundin aus Schulzeiten, Naomi, führt eines dieser privilegierten Leben als eine 4,8. Sie ist ein Teil der Social-Media-Elite und ich bin unglaublich neidisch, obwohl ich es nicht gerne zugebe. Ich habe meinen 9-bis-5-Bürojob und wohne zusammen mit meinem Bruder in einem kleinen Mietshaus. Das deprimiert mich, vor allem wenn ich online sehe, was für ein Leben Naomi führt. Sie hat diese tollen Freunde, macht ausgefallene Reisen und ihr perfekter Freund legt ihr die Welt zu Füßen. Ich würde alles tun, um so zu sein, wie sie.

Doch dann frage ich mich: Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der Menschen nichts als Nummern sind? In der du ständig bewertet wirst, für jede Entscheidung, die du triffst, jedes Wort, das du sprichst, jeden Gedanken, den du hast? Eine Welt, in der du nur etwas erreichst, wenn du die passenden Zahlenwerte hast? Ich glaube wohl kaum.

Menschen wie Naomi führen das perfekte Vorzeigeleben, dem so viele nacheifern. Doch diese aufgestellte Fassade ist nicht das wahre Leben, sondern das ausnutzen von Privilegien, die durch nichts als Zahlen entstanden sind. Nur weil diese Leute viele Sterne haben, sollen sie bessere Menschen sein? Dagegen wehre ich mich. Ich will frei sein von dem Zwang perfekt zu sein, auch wenn das heißt, dass ich keine 4,2 mehr sein werde. Ich bin keine Zahl. Ich bin ICH und das werde ich auch immer bleiben.

Von Fanny Huth

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