Binge-Watching: Mein bester Freund ist sechs Staffeln lang

Sie heißen Rachel, Blair, Carrie und Sheldon und sind uns so vertraut wie unsere Liebsten. Die Rede ist von Serien-Charakteren, fiktiven Personen, die für uns doch so realitätsnah erscheinen. Sie haben die gleichen Macken, Probleme und Gedanken wie wir – schwups da hat einen das Soap Fieber gepackt und der Button „Alle Folgen abspielen“ ist gedrückt.

Gehört ihr auch zu der Personengruppe, die ihre Lieblingsserie nicht nur ein- oder zweimal komplett gesehen hat? Keine Sorge. Laut einer Studie der University of Buffalo ist es sogar gesund für uns und bewiesen, dass Serien eine Art Ersatz für family and friends darstellen.

Wie ein Treffen mit Freunden und Familie

Forscher haben belegt, dass es positive Energie freisetzt, wenn man sich die besten Folgen seiner Lieblingsserie immer wieder anschaut. Das löst nahezu den gleichen Effekt aus wie ein Treffen mit Freunden und Familie. Was genau von beiden, kommt dann wohl auf die Serienhandlung selbst an. Doch Fakt ist: Serien schauen hebt die Laune und lädt den geistigen Akku wieder auf. Warum genau das so ist? Nunja, als eine Erklärung nennt die Forschungsgruppe aus den Staaten die Vertrautheit. Uns sind die Charaktere sowie die Handlung gut bekannt, somit können wir uns getrost zurücklehnen und uns berieseln lassen. Solch ein Prozess der Berieselung schafft in unserem Hirn Platz für Neues und wir tanken gleichzeitig Kraft, da es uns kaum anstrengt, die Folge oder den Sinn dahinter zu verstehen.

Darüber hinaus – und das klingt jetzt vielleicht paradox – regt das wiederholte Anschauen unserer Lieblingsfolgen auch die eigene Kreativität an. Verrückt? Natürlich kommt einem beim Schlagwort „Wiederholung“ nicht direkt der Begriff „Kreativität“ in den Sinn. Doch bei den Worten „Entspannung“ oder „Abschalten“ schon eher und genau das tun wir, wenn wir Serienfolgen immer und immer wieder schauen. Wir relaxen und setzen damit Kreativität frei.

Vielleicht habt ihr selbst auch schon einmal beobachtet – je öfter man eine Folge oder auch einen Film sieht, desto mehr neue Details, die einem vorher nie so aufgefallen sind, bemerkt man. Laut der besagten Studie fördert auch das den Prozess des kreativen Denkens, da man die Handlung aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Binge-Watching = Komaglotzen

Somit können alle Serienfans oder auch Serienjunkies erst einmal aufatmen. Jedoch wollen wir hier nicht unbeachtet lassen, dass auch gegen Seriensucht eine Art gegnerische Partei existiert. Hier fällt vor allem der Begriff des Binge-Watching. Auf Deutsch lässt es sich wohl am ehesten mit „Komaglotzen“ oder „Serienmarathon“ übersetzen. Darunter versteht man das Schauen von mehreren Folgen einer Fernsehserie am Stück. Jetzt mal Hand aufs Herz: Wenn wir Zeit und die Möglichkeit haben, gucken wir doch ganz bestimmt nicht nur eine Folge.

Forscher der University of Texas behaupten in einer neuen Studie, je einsamer, depressiver und weniger selbst kontrolliert Zuschauer sind, desto mehr neigen diese zu dem so genannten Binge-Watching von Fernsehserien. Für die Studie wurden 316 Zuschauer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren befragt. Dabei stellte sich heraus, dass das Verhalten des Binge-Watching signifikant positiv mit den psychologischen Faktoren Einsamkeit, Depression und auch dem Selbstregulationsdefizit korreliere. Einfach formuliert: Je einsamer und depressiver ein Zuschauer ist, desto mehr Episoden „zieht er sich hintereinander rein“.

Bereits im Spätsommer 2014 tönte erstmals die „American Heart Association“ mit einer Studie: Binge-Watching schade der psychischen Gesundheit und somit langfristig auch der ganzheitlichen Gesundheit. Doch diese Studien seien mit Vorsicht zu betrachten, hieß und heißt es ebenfalls. Ja, das dachten wir auch direkt. Danke! Denn aus unserer Perspektive würden wir die Begriffe „gesundheitsschädlich“ und „Serien“ nicht gleichzeitig in den Mund nehmen – gut vielleicht auch zum Selbstschutz – denn seitdem meine Lieblingsfolge von „Sex and the City“ vorbei ist, laufen im Hintergrund während ich diesen Artikel schreibe meine Freunde von „Big Bang Theory“. Könnten wir jetzt ein Zwinker-Smiley einbauen – hier würden wir diesen setzen: Hashtag: „Emoji-Sucht-Könnte-Auch-Ein-Thema-Sein“!

Text und Bild von Freya-Alessa Hausmann

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