Bikini Berlin: Viel Lärm um nichts?

Passend zum Start der Bikini-Saison wurde im Frühjahr 2014 das Berliner Bikini-Haus zwischen der Gedächtniskirche und dem Zoologischen Garten in der City West eröffnet. Doch hat sich das monatelange Warten auf das als exklusiv angepriesene Einkaufszentrum Bikini Berlin wirklich gelohnt?

Die Erwartungen an das Bikini Berlin waren hoch. Neben Geschäften für Mode oder Technik sollten vor allem die regelmäßig wechselnden Pop-up Stores, also kurzfristige und provisorische Einzelhandelsgeschäfte, im Vordergrund stehen und für Abwechslung in Sachen Fashion sorgen. Auch die Nähe zum Berliner Zoo spielt eine große Rolle. Ziel des Einkaufszentrums im 1950er-Jahre-Schick sei es nämlich, eine Brücke zwischen Stadt und Natur, Konsum und Erholung zu schlagen erklärte Kai-Uwe Ludwig aus der Geschäftsführung der Bayerischen Hausbau, die eigenen Angaben zufolge einen dreistelligen Millionenbetrag in die Erneuerung des Berliner Bikini-Hauses investierte.

Großer Erfolg am Eröffungswochenende

Im April wurde die erste Concept Mall Deutschlands (so die Selbstbeschreibung des Bikini Berlin) eröffnet. Bereits das erste Wochenende war ein voller Erfolg. Rund 300.000 Personen sollen am ersten Verkaufswochenende durchs Bikini Berlin flaniert sein. Die Erwartungen der Verantwortlichen wurden bei weitem übertroffen und führten zu Erleichterung, bestätigte Ludwig: „Wir freuen uns, dass Bikini Berlin so überragend von den Berlinern angenommen wurde.“

Bikini Berlin: „… anders als herkömmliche Shopping Malls“

Jedoch soll sich das Bikini-Haus deutlich von anderen Einkaufszentren unterscheiden, besonders auf die aktuellen Bedürfnisse der Kundschaft eingehen und sich an ein „anspruchsvolles, trend- und stilbewusstes internationales Publikum mit hohem Anspruch an Qualität und Einkaufserlebnis“ richten. Wichtig sei den Verantwortlichen dabei, dass das Bikini Berlin „anders als herkömmliche Shopping Malls“ ist und „eine Ansammlung von sorgsam kuratierten und aufeinander abgestimmten Boutiquen, Concept- und Flagship Stores sowie Gastronomie- und Dienstleistungsanbietern“ darstellt. Dies soll vor allem durch die zwanzig festen Pop-up Stores und die außergewöhnlichen Highlights der Architektur, wie zum Beispiel den Blick auf den Zoologischen Garten oder die große Halle, welche unter der Dachterrasse liegt, gelingen.

Klare Linien fehlen

Das Konzept des Bikini Berlin hört sich im ersten Moment großartig an: „Shoppingerlebnisse für die urbane Gesellschaft von morgen.“ Doch schaut man genauer hin, bemerkt man, dass klare Linien, die von den Verantwortlichen so hoch angepriesen wurden, nur schwer erkennbar sind. Was will die urbane Gesellschaft von morgen denn? Die Zusammensetzung der Läden scheint enttäuschender Weise ziemlich willkürlich. Hier findet sich eine Kaisers-Filiale neben einem Geschäft, in dem überteuerte Kerzen angeboten werden. Eine wenig inspirierende Mischung aus Lebensmittel- und Modeläden, die sich neben Elektrogeschäften und Souvenirshops wiederfinden. Genauso, wie im Bikini Berlin selbst, ist auch beim Publikum ein roter Faden nicht erkennbar. Am Eröffnungstag mischten sich ältere Rentner zwischen angesagte Berliner Szeneleute und Schichtarbeiter.

Shop different – so werben die Schöpfer für das Bikini Berlin. Doch ist unterschiedlich zu sein in diesem Fall wirklich gut? Ob der Erfolg des Bikini Berlin von langer Dauer sein wird, scheint fraglich. Zu Beginn wirkt das Bikini-Haus als attraktive Sehenswürdigkeit auf Touristen. Sobald man jedoch genauer hinschaut, bemerkt man, dass das Bikini Berlin nicht das hält, was es verspricht. Die Umsetzung eines klaren Konzepts, welches das Bikini Berlin zu dem machen soll, was es ist, fehlt. In den nächsten Monaten wird sich nun zeigen, ob das „neue Kaufen“ bei den Berlinern wirklich Anklang findet.

Von Lisa Wallbraun

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