Berlin: Welcome to the jungle

Dreieinhalb Millionen Menschen. Tendenz steigend. Berlin ist voll und die Menschen kämpfen sich Tag für Tag durch den Großstadtdschungel. Die Fahrt mit Bus oder Bahn wird zum alltäglichen Kraftakt.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – denkste!

Bereits der Morgen wird zum Albtraum. Arbeit, Uni oder einen Termin am Morgen? Die Zeit zwischen 7.00-9.00 Uhr und 16:30-18:30 Uhr sind mit der Dörre-Zeit in der Wüste zu vergleichen. Die Masse drängt sich ans Wasserloch, wobei nur die Starken und Geschickten das Chaos überstehen. Willkommen in der Hölle namens Stoßverkehr!

Egal ob U- oder S-Bahn, ob Bus oder Tram: Gruppenkuscheln ist angesagt. Knackpunkte wie der Alexanderplatz oder der Bahnhof Zoologischer Garten sind die reine Katastrophe. Schubsen, Quetschen und Drängeln. Menschen über Menschen wuseln auf den Gängen um von einem Bahnsteig zum nächsten zu kommen.

Jäger der Stadt: Freie Sitzplätze sind das Frischfleisch im Dschungel

Das Warten ist ein Wettkampf. Man wird zum Räuber und Gejagten. Ausfall oder Verspätung? Das Schlimmste was einem passieren kann, da die Masse nur zunimmt und man selbst mittendrin gefangen ist. Wenn das heiß ersehnte Transportmittel dann endlich eintrifft, beginnt das große Rennen. Wer steht weit genug vorne, um sich Komfort zu ergattern? Lautlos hallt der Schuss durch die wartende Menge. Wie wild gewordene Tiere stürzen sie sich auf das Frischfleisch der Öffis: freie Sitzplätze.

„Welcome to the jungle we take it day by day
If you want it you’re gonna bleed but it’s the price you pay“ – so nennen es Guns n‘ Roses.

Dicht an dicht und aneinander gepresst wartet man in der erdrückenden Enge, bis man sein Ziel erreicht hat. Jede Station, an der gehalten wird, wird verflucht und verabscheut. Dazu steigende Menschen werden wütend angefaucht und missbilligend angeschaut. Sympathie gibt es für niemanden.

Schneckentempo auf der Stadtautobahn

Verlässt man sich doch auf seine eigenen vier Räder und hofft auf eine entspannte Fahrt, so hat man sich getäuscht. Die Straßen sind von Norden bis Süden, von Ost nach West komplett verstopft. Die A 100 eine Stadtautobahn? Eine Lachnummer!. Nur im Schneckentempo geht es langsam voran. Bei normaler Verkehrslage bräuchte man eventuell 30 Minuten zu seinem Zielort. In der morgendlichen Rush Hour braucht man mindestens doppelt so lange.

Zu dem Drama Autofahrt kommt noch die ewige Suche nach einem Parkplatz. Mit über 1 Million zugelassener Autos in Berlin ist das alles, aber nicht einfach.

Tagtäglich gibt man sich dem Großstadtdschungel hin. Sowohl die öffentlichen Verkehrsmittel als auch die Straßen werden zum Showdown der wilden Masse. Das Menschliche verabschiedet sich und zurück bleibt die ungezähmte Natur eines jeden. Völlig erschöpft und ausgelaugt, aber erleichtert, kommt man irgendwann an. Mit dem kleinen Hintergedanken, dass auch dort die Wildnis auf einen lauert. Willkommen in Berlin, welcome to the jungle.

Text und Bild von Alina Pfänder

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