aus_dem_leben_eines_schreiberlings_2

Aus dem Leben eines Schreiberlings

Piep, piep, piep. Piiiep, piiiep, piiiep. Sonntag. Es ist kurz nach Zwölf. Im Bett regt sich etwas. Eine Hand versucht mehrfach, die Lärmquelle zu treffen. Ein kräftiger Punch bringt den Wecker zum Schweigen. Ganz vorsichtig öffnet sich ein Auge. Ein fataler Fehler. Gleißendes Sonnenlicht blendet mich. Mein Kopf fängt an zu dröhnen. Ein Blick auf den Wecker lässt mich quälend Aufstöhnen. Meine Gedanken sind ein einziges Chaos, doch was ich definitiv weiß: Ich hab keine Lust auf den bevorstehenden Tag!

Am liebsten würde ich in meinem weichen Bett liegen bleiben und den Rausch von letzter Nacht ausschlafen, aber die Pflicht ruft. Ich stehe auf, denn eine Deadline wartet nicht auf einen. Wann diese ist? Heute um Punkt 18 Uhr. Innerlich verfluche ich mich selbst. Warum nur habe ich den Artikel bis jetzt aufgeschoben? Warum?

Mit allerbester Laune schlurfe ich in die Küche. Meine einzige Rettung für den heutigen Tag ist Kaffee, und davon reichlich. Während die Kaffeemaschine vor sich hin brodelt, frage ich mich erneut, warum ich mir das antue. Die Antwort fällt mir schnell wieder ein. Geld! Ich brauche das Geld um Miete, Essen und Vergnügen begleichen zu können. Mit meinem Kaffee schlurfe ich rüber zu meinem Schreibtisch und schalte den Laptop an. Mit einem Hinweis teilt er mir mit, dass er jetzt ein Update ziehen muss und es sich nur um Minuten handeln kann. Ja, sicher.

Los Google, zeig mir, wofür sich die Menschen momentan begeistern

Eine gute Stunde später kann ich mich dann endlich an die Arbeit machen. Ein Artikel ist die zu bewältigende Aufgabe. Ein Artikel. Aber worüber? Zähneknirschend fahre ich mir durch die Haare. Ich habe keine Ahnung! Man sagt ja immer, Google ist dein Freund und Helfer. Na, dann los Google, zeig mir, wofür sich die Menschen momentan begeistern.

Ich überfliege unterschiedliche Artikel und lese zahlreiche Nachrichten-Tweets. Mindestens sieben Mal bin ich aufgestanden um mir Kaffee nachzuschenken. Und gefühlt doppelt so oft davon aufs Klo gerannt, um diesen wieder weg zu tragen. So richtig produktiv war ich leider immer noch nicht.

Es ist jetzt auch schon früher Nachmittag und mein Magen verlangt nach Nahrung. Gemächlich mache ich mich erst mal auf in die Küche und mache mir etwas Ordentliches zu Essen. Eine Stunde später dann wieder vor dem Laptop. Trotz gut gefülltem Bauch ist meine Motivation niedrig wie nie.

Nach dem Telefonat mit meiner Mutter bin ich nun offiziell demotiviert

Das Telefon klingelt. Die gute Frau Mama hätte sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um mich in ein Gespräch zu verwickeln. Nach der Unendlichkeit des Telefonats bin ich offiziell demotiviert.

Beim gelangweiltem Durchsuchen des gesamten Internets taucht plötzlich meine Rettung auf. Ein Thema, was mein Interesse ein klitzekleines Bisschen geweckt hat. Eilig stürze ich mich darauf und sauge alle Informationen auf, die ich bekommen kann. Ich ziehe wieder Google zu Rat und überflute es mit Schlagwörtern für meine Recherche. Immer wieder fliegt der Kuli über das Papier auf dem sich mehr und mehr Notizen ansammeln.

Ein schneller Blick auf die Uhr lässt mich erstarren. Meine Augen weiten sich vor Schreck. Es ist bereits 16.25 Uhr. Ich habe nicht mal mehr zwei Stunden um den Artikel zu schreiben. Hastig haue ich auf die Tastatur. Das einzige, was durch den Raum hallt, ist das Klacken der Tastatur. Wie wild tippe ich die Worte in das Dokument. Meine Gedanken überschlagen sich. Immer wieder verwerfe ich Absätze und schreibe diese neu. Endlich! Der Artikel steht.

Geradezu panisch schicke ich die Mail mit dem Artikel um 17:59 Uhr an meinen Lektor ab. Geschafft. Erleichtert sinke ich an meinem Schreibtisch zusammen. Kopfschüttelnd stehe ich auf. Was für ein Stress. Was für ein Tag.

Ein beißender Geruch steigt mir in die Nase. Naserümpfend schnuppere ich unter meinen Armen und ziehe eine Grimasse. Eine Dusche, oder noch viel besser ein Entspannungs-Bad, genau das steht mir nach der ganzen Anstrengung zu. Ich werfe noch einen letzten Blick auf meine Unterlagen und klappe den Laptop zu. Feierabend!

Von Alina Pfänder

Bildnachweis: Von Calum MacAulay  [Lizenz] via unsplash.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.