Angst essen Seele auf: Terrorfolgen im Berliner Alltag

Es ist Mittwoch morgen, ich bin auf dem Weg zur Uni. Die Bahn ist voll wie immer, so dass ich mal wieder keinen Platz zum Sitzen bekomme. Plötzlich steigt ein Mann arabischer Abstammung in die Bahn.

Der Mann telefoniert. Da er auf Arabisch redet, klingt es hart und als würde er sich mit jemandem streiten. Als er aufhört zu telefonieren und sich gezwungenermaßen neben mich stellt, da der Rest der Bahn rappelvoll ist, bemerke ich seinen Rucksack. Was da wohl drin ist?

Er ist ein ganz normaler Mann, mit einem ganz normalen Rucksack, wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause und trotzdem wird mir plötzlich komisch zumute. Es ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert. Seit den Anschlägen in Paris 2015 ist diese Angst, dieses Unwohlsein in der Bahn und bei Großveranstaltungen, gewachsen. Und erst recht seit dem Attentat in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.

Während ich da so stehe, wird mir langsam heiß und ich überlege, ob ich vielleicht bei der nächsten Station aussteigen sollte. „Zu übertrieben.“, denke ich und schüttele mit dem Kopf. Plötzlich treffen sich unsere Blicke und ich merke, dass ich ihn wirklich angestarrt habe. Ich schaue erschrocken auf den Boden, fühle mich ertappt. Am nächsten Halt steigt er aus. Ich atme aus und ärgere mich wieder mal über mich selbst, dass ich so misstrauisch geworden bin.

Solche Situation hatte ich nämlich schon öfter. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich damit nicht alleine bin. Immer wieder habe ich Leute getroffen, die ähnliches erlebt haben oder denen es öfter so ergeht. Sogar mehr Leute als ich gedacht hätte!

Doch ich möchte mich nicht einschränken lassen. Obwohl es schon das ein oder andere Mal vorgekommen ist, dass ich tatsächlich die Bahn gewechselt habe, habe ich mir vorgenommen das nächste Mal tief durchzuatmen und sich nicht selbst mehr Panik als nötig zu machen. Und es tut gut zu wissen: Mit seiner Angst ist man nicht allein.

Von Melina Rudigkeit

Bildnachweis: Von Paul Garaizar [Lizenz] via unsplash.com

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