Der Record Store Day gilt als weltgrößtes dezentrales Musikereignis

Kommerz oder Kultur? Weltgrößtes Musikevent und Berlin war dabei!

Am vergangenen Samstag fand bereits zum zwölften Mal der Record Store Day statt. Mit über 3.000 teilnehmenden Plattenläden gilt der Record Store Day als das größte Musikereignis weltweit. In Berlin beteiligten sich dieses Jahr ein gutes Dutzend Geschäfte – von Dussmanns Kulturkaufhaus in Mitte bis zum kleinen Dodo Beach in Schöneberg.

Musik? Die holt man sich heute bei Spotify, iTunes, YouTube oder Amazon. Klar. Aber nicht unbedingt gut. Das denken jedenfalls die vielen kleinen Plattenläden, die nicht nur verkaufen wollen, sondern ihre Kunden auch vor Ort beraten.

2008 schlossen sich – zunächst in den USA – viele unabhängige Plattenläden zusammen und organisierten erstmals den Record Store Day. Die Idee: Man verkauft Vinyl-Scheiben und CDs, die exklusiv für diesen Tag in limitierter Stückzahl hergestellt werden. Dann garniert man das Ganze mit Livemusik vor Ort.

Dadurch unterstreichen die unabhängigen Plattenläden ihren Beitrag für den Erhalt der vielfältigen Musikkultur. Denn die am Record Store Day gehandelten Scheiben gibt es nicht bei den großen Online-Plattformen.

Plattenläden sind wie auch Buchläden nicht nur Wirtschaftsunternehmen, sondern auch wichtige Kulturorte. Aber anders als im Buchmarkt hilft den Plattenläden keine gesetzliche Preisbindung. Bücher kosten überall das gleiche. Musik aber ist Ware und die gibt’s am billigsten im Abo und per Stream.

In den USA ist der Record Store Day mittlerweile ein angesagtes Event, das für Musikliebhaber aller Genres ein Pflichttermin ist. Man feiert die Musikkultur, und die Betonung liegt auf Feiern. In Berlin sieht das ein bisschen anders aus. So schafft es auch der Berliner Marktführer Dussmann nicht, mehr als eine Handvoll Fans für die Veranstaltung zu interessieren.

Mögliche Gründe? „Das ist doch nur noch Kommerz“, sagte uns ein Besucher, der trotz seiner Vorbehalte zum Record Store Day kam. Wenig Event, viel Verkauf von teilweise durchaus „seltsamen“ Aufnahmen: Das ist das, was viele Musikliebhaber an der deutschen Umsetzung des Record Store Days stört.

Mittlerweile werden zum Record Store Day Hunderte von Sonderpressungen aufgelegt und zu Sammlerpreisen (also eher teuer) angeboten. Von jeder Produktion werden zwischen 500 und 3.000 Stück hergestellt. Die Kritik vieler Musikfans: Der Record Store Day unterstütze so nicht die unabhängigen Plattenläden, sondern die Interessen der Musikindustrie. Die vergolde sich alte Aufnahmen durch die Limitierung und den dadurch entstehenden Preisdruck.

Für Sammler ist das Konzept in Ordnung. Musikfans aber lockt es nicht in die unabhängigen Plattenläden, zumal Fachmagazine mittlerweile sogar zum Boykott der Veranstaltung aufrufen. Auch nächstes Jahr wird der Record Store Day wieder stattfinden. Der Termin ist für den 18. April 2020 festgesetzt. Ob dann Kultur oder Kommerz im Vordergrund steht, wird sich zeigen.

Bildnachweis: Von Steve Harvey [Lizenz] via unsplash.com

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