Leben ohne Müll: Ein Selbstversuch

Jeder Deutsche produziert im Durchschnitt 618 Kilogramm Müll pro Jahr. Damit liegt Deutschland in Europa ganz weit vorne. Aber diese Spitzenleistung ist alles andere als spitze.

Jeder von uns kann kleine Schritte in Richtung weniger Abfall wagen. Man kann im Supermarkt die Plastiktüten weglassen oder auch regional einkaufen. Schon seit Jahren widmen sich immer mehr Deutsche der Nachhaltigkeit und leben einen „Zero-Waste Lifestyle“. Dabei geht es darum, Müll gar nicht erst entstehen zu lassen und damit der Umwelt etwas Gutes zu tun. Was nicht vermieden werden kann, wird recycelt, reduziert, wieder verwendet oder sogar kompostiert.

Für viele klingt das wahrscheinlich radikal oder unmöglich, doch angeblich ist es einfacher, als man denkt. Ich habe mich an den Selbstversuch herangewagt und mein Leben für kurze Zeit auf Zero-Waste umgestellt.

Was tun auf dem Klo?

Zu allererst: Ja, die Toilettenfrage habe ich mir auch gestellt. Wie funktioniert das denn eigentlich mit dem Klopapier? Papier an sich wäre nicht das größte Problem, aber besagtes Toilettenpapier ist doch nur in Plastik zum Kauf erhältlich. Nach Recherchen hat sich gezeigt, dass es auch einen hygienischen und papierfreien Weg gibt: Die Klobrause (aka japanische Toiletten). Mit diesen modernen Geräten kann man sich kurzerhand mit Wasser abspülen und säubern und sich danach mit einem Lappen trocknen.

In meinem kurzen Experiment habe ich jedoch auf diese Art der Reinigung verzichtet und blieb beim bewährten Toilettenpapier. Denn beim Zero-Waste Lifestyle geht es nicht darum, nie wieder ein Fünkchen Müll zu produzieren, sondern so viel zu vermeiden, wie möglich. Dabei habe ich mein Bestes getan.

Mit Zahnputzpulver und Bambuszahnbürste in den Tag

Ein lautes Klingeln weckt mich auf. Gähnend drücke ich auf mein Handy und schalte den Wecker aus. Es ist zwar Samstag, aber ohne Wecker würde ich bis nachmittags weiterschlafen. Ich stehe auf, trotte ins Bad und putze mir die Zähne mit meiner neuen Bambuszahnbürste, die in mein Zahnputzpulver von Lush getunkt ist. Das Gefühl ist zunächst seltsam, aber man gewöhnt sich schnell daran. Danach wasche ich mir mein Gesicht mit meiner festen Gesichtsreinigung von Clinique. Mein normaler Deo-Roller wird heute durch Deo-Pulver ersetzt.

Zunächst wird eine Jeans angezogen und ein Pulli übergeworfen. Vor dem Frühstück muss ich erst einmal den Kühlschrank auffüllen. Ich packe zwei Stoffbeutel und einen leeren Eierkarton ein und mache mich auf dem Weg zu meinem lokalen Bio-Supermarkt. Ich lege lose Eier in meinen mitgebrachten Karton, kaufe Obst und Gemüse, Quinoa im Pappbehälter und Joghurt und Sahne in einer Glasflasche. Dazu kommt frisches Brot und ab geht’s nach Hause, wo ich mir ein Spiegelei anbrate und Brot esse. Das Geschirr spüle ich mit einem speziellen Schwamm und festen Spülmittel ab und lege es zum Trocknen. Nun geht es an die Arbeit! Hausarbeiten und andere Projekte warten am Schreibtisch auf mich.

Coffee to go – aber nur im wiederverwendbaren Thermosbecher

Später treffe ich mich mit einer Freundin und wir holen uns einen Coffee to go. Während sie ihren üblichen Pappbecher bekommt, gebe ich meine Thermoskanne ab und bekomme sie aufgefüllt mit frischem Kaffee zurück. Dafür gibt es dann sogar Rabatt! Wieder in den eigenen vier Wänden geht es weiter mit dem Abendessen: Heute gibt’s Suppe – und diese ist auch super schnell fertig und gegessen.

Vor dem schlafen gehen hüpfe ich schnell unter die Dusche und wasche meine Harre mit einem festen Shampoo aus der Metalldose. Die dazu passende Körperseife duftet schön nach Rosen und ich kann blitzeblank wieder meine Zähne putzen und schlafen gehen.

Viel gemacht habe ich an diesem Samstag nicht, daher gab es keine großen Anstrengungen, um einem müllfreien Alltag nachzugehen. Plastikfreie Hygieneartikel und Beautyprodukte gibt es oft zu kaufen und man muss nur sehr selten überdurchschnittlich viel Geld investieren – oder sich seine Kosmetik selber machen. Doch in normalen Supermarkt ist fast alles von Plastik umhüllt, das ist mir stark aufgefallen. Einen Tag ging es gut, doch wenn man diesen Lebensstil hat, muss man wohl in der Nähe eines unverpackten Supermarktes wohnen, um auf nichts verzichten zu müssen.

Es ist definitiv nicht der einfachste Weg, doch jeder kann keine Schritte in Richtung weniger Müll gehen. Es ist ein Prozess, doch jeder ist in der Lage weniger Müll zu produzieren. Egal, ob man einfach mal die Plastiktüte an der Kasse weglässt, unverpackte Kosmetik kauft, oder sich sein Eisgetränk ohne Strohhalm bestellt – jedes Stück Plastik macht etwas aus. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es gut tun wenigstens einen Tag lang keinen Abfall zu produzieren.

Von Fanny Huth

Bildnachweis: Von meineresterampe [CC0] via pixabay.com

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