Hinter Glitzer und Glamour: Kinderarbeit in der Modebranche

Ein kleiner Raum, gefüllt mit fünfzig Mädchen. Auf den ersten Blick sehen sie alle gleich aus: Enge Jeans, weißes T-Shirt, ziemlich groß und ziemlich abgemagert. Sie sind schon seit Stunden in diesem stickigen Raum und warten darauf, gesehen zu werden. Endlich, die Erlösung: „Die nächste!“. Und schon verschwindet ein anderes Mädchen im Nebenraum.
Angespannt trägt sie ihre Mappe unter dem Arm. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie sind Models in einer Großstadt. Wir alle schauen zu ihnen hinauf, wir alle wollen so aussehen, so sein, wie sie. Doch hinter all dem Glitzer und Glamour verbirgt sich ein knallharter Knochenjob.

Lange Wartezeiten bei Castings, enge Modelapartments ohne Privatsphäre, ein gehetztes Leben von Job zu Job. Alles fernab von Familie und Freunden, dafür aber stetige Kontrolle von Agenturen. Wie das Gewicht und die Maße werden auch die Essgewohnheiten der jungen Models kontrolliert. Geplagt von tagtäglicher Ablehnung und dem Konflikt mit dem eigenen Körper, verfallen viele von ihnen in starke Essstörungen.

Die Theorie: Zu dünn – kein Job

Die französische Modehauptstadt Paris hat im Dezember 2015 ein Gesetz erlassen, das Models mit einem zu niedrigen Body-Mass-Index (unter 18,5) die Arbeit verbietet. Der Body-Mass-Index, auch als BMI bekannt, gibt Auskunft darüber, ob man unter-, normal -, oder übergewichtig ist. Wer gegen das Gesetz verstößt, kann mit Geldstrafen von bis zu 75.000 Euro oder Haftstrafen von bis zu sechs Monaten rechnen.

Zunächst klingt das nach einem grandiosen Fortschritt, um das heutige Frauenbild zu verändern und es in eine gesündere Richtung zu führen. Befasst man sich genauer damit, fällt einem aber auf, dass dieses Gesetz als pure Fassade aufgestellt wurde. Es war ein Impuls, ein kurzes Moment, in dem klar wurde, dass eine Maßnahme nötig ist, um die Menschen vom kranken Modegeschäft abzulenken.

Jedoch wurde schnell deutlich, dass dieses Gesetz nicht viel bringen wird. Wer wird die Models messen? Wer stellt sicher, dass die Mädchen ihr Gewicht vor dem Wiegen nicht höher schummeln? Außerdem, was stellen 75.000 Euro für eine Bedrohung dar, wenn man Millionenbeträge für einzelne Kampagnen aus dem Fenster wirft?

Die Praxis: Kinder laufen über den Catwalk

Wir bewundern 14jährige Mädchen, die über die Laufstege dieser Welt huschen. Deren Körper sind in dem Alter jedoch noch nicht mal ansatzweise weiblich, sondern kindlich. Erwachsenen Frauen ist es einfach nicht mehr möglich, so auszusehen wie ihre jungen Idole.

Schließlich stellt sich die Frage, warum solche jungen Mädchen überhaupt als Models arbeiten dürfen. Sie geben ihre Familien und ihre Bildung auf, um dafür ein Leben unter Stress und Kontrolle zu führen. Und wenn sie das nicht mehr machen wollen, welche Alternative bleibt ihnen ohne Erfahrungen in anderen Jobs oder eine Ausbildung? Warum wird im Modelbusiness Kinderarbeit akzeptiert und als normal angesehen, obwohl es völlig inakzeptabel ist, ein 14jähriges Kind in einer indischen Fabrik arbeiten zu lassen?

Viele leugnen es, manche sehen erst gar nicht. Dennoch werden Kinder tagtäglich unter einen Druck gesetzt, dem nicht mal Models mit zehn Jahren mehr Berufserfahrung standhalten. Um wirklich etwas zu verändern, muss eine Altersbeschränkung im Modelbusiness her, und keine BMI-Begrenzung, an die sich sowieso keiner hält.

Seit Dezember 2015 dürfen keine Magermodels mehr in Frankreich arbeiten. Eine Veränderung hat es, wie man auf der letzten Fashion Week gesehen hat, nicht gegeben. Nun steht wieder die Fashion Week Saison vor der Tür. Werden in Paris nun Models mit einer normalen Kleidergröße arbeiten? Ich glaube kaum. Karl Lagerfeld würde eher sterben, als ein Model jenseits der Größe 34 einzustellen. Aber wenn man sich nicht zuerst den viel zu jungen Models annimmt, wird sich daran wohl auch nichts ändern.

Von Fanny Huth

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