Ein Dach, drei Religionen: Wunsch oder Wirklichkeit?

Läuft man am Petriplatz in Berlin-Mitte vorbei, sieht man nur ein leeres Grundstück. Seit Jahren grübelt man, was aus der Brache werden soll. Was jedoch viele nicht wissen: Seit 2013 steht das Projekt für den Petriplatz fest. Hier soll das House of One errichtet werden, das Christen, Juden und Muslime unter einem Dach versammeln soll.

Hinter dem House of One verbirgt sich eine faszinierende Idee: Eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge – alles in einem Gebäude vereint. Dadurch soll ein Statement für die kulturelle Vielfalt und das friedliche Beieinandersein gesetzt werden. Noch ist dieses Projekt weltweit einmalig.

Früher befand sich auf dem Petriplatz die Petrikirche, die 1964 abgerissen wurde. Die Fundamente bestehen aber noch. Das Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi möchte diese im modernen Bau wieder aufgreifen und somit auch eine Verbindung von Alt und Neu schaffen.

Zudem gibt es noch andere Herausforderungen zu bewältigen. Zum Beispiel müssen die Synagoge und die Moschee nach Osten gerichtet sein, und die Moschee braucht einen quadratischen Raum. Es werden verschiedene Gottesdiensträume und ein Zentralraum errichtet. Gerade der zentrale Raum und gleichzeitig das Herzstück des House of One, dient dazu, dass alle Religionen zusammenkommen und voneinander lernen.

Finanzierung per Crowdfunding

Um das House of One zu verwirklichen, werden 43,5 Millionen Euro benötigt. Investor kann jeder sein! Denn das House of One wird größtenteils durch Crowdfunding, also Spenden, finanziert. Jedoch sind dadurch bis jetzt gerade mal knapp eine Million Euro zusammengekommen.

Das wirft Fragen auf: Wessen Grundstück ist das überhaupt? Wann ist denn nun die Grundsteinlegung? Wofür werden die Spenden bis jetzt verwendet? Finanziert die Stadt Berlin? Laut der Website des House of One ist das Grundstück Eigentum des Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e.V. Also der Organisation, die für die Realisierung des Projektes verantwortlich ist. Da dies eine gemeinnützige Organisation ist, braucht man sich ja auch keine Sorgen um die eine Million Spende machen. Trotzdem werden fast 10% der gespendeten Gelder für Werbung und ähnliches ausgegeben. Aber wer weiß, was hinter den Kulissen wirklich geschieht? Immerhin steht auf der Website, auch noch im Juni 2016, dass ein Baubeginn Ende 2015 möglich sein wird. Diese Zukunftsprognose wurde offensichtlich verfehlt.

Ohne Mithilfe der Gemeinden keine Chance

Aber wie sieht es nun generell mit dem Projekt aus? Ich habe den Projektentwickler Harald G. Huth gefragt, ob er das House of One als realistisch ansieht und wie die Chancen stehen, dass letztendlich auch die Stadt Berlin finanziert: „Die Idee finde ich super, aber solange die Gemeinden das nicht unterstützen, wird es schwer werden die 40 Millionen Euro an Spenden zu erzielen. Der Senat wird dafür kein Geld zur Verfügung stellen. Da hilft auch kein Bausenator, denn der hat selbst kein Geld. Wenn überhaupt müssten sich die deutschen Gemeinden zusammentun und das Geld spenden, denn am Ende ist es ja auch für diese gedacht.“

Generell wird das House of One als erstes gemeinschaftliches Gotteshaus angesehen. Dahinter steckt die Aufforderung zum Frieden und zum Beisammensein, egal, welcher Religion man angehört. Die Idee gefällt vielen, aber die Umsetzung erscheint fragwürdig. Ob oder wann dieses einmalige Projekt realisiert wird, das wissen nur die Götter.

Von Fanny Huth

Bildnachweis: (c) KuehnMalvezzi

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