Peppycorn: Mit Popcorn in die Selbstständigkeit

Berlin ist nicht nur politische Hauptstadt Deutschlands, sondern auch die Startup-Hauptstadt. Pro Jahr werden in Berlin rund 40.000 Unternehmen neu gegründet, berichtet die Berliner  Senatsverwaltung. Auch die 27-jährige Alessa hat sich mit einem Startup selbstständig gemacht und produziert in Kreuzberg kalorienarmes Popcorn. Ich habe mich mit Alessa getroffen und sie ausgefragt: Über die Selbstständigkeit, gesundes Essen und Zukunftsangst.

Terminal Y: Hallo Alessa! Stell dich doch mal kurz vor.

Alessa Rezai: „Hi! Mein Name ist Alessa Rezai und ich bin 27 Jahre alt. In Düsseldorf geboren und aufgewachsen, bin ich nach dem Abitur nach London gezogen, um dort International Business mit dem Schwerpunkt Management zu studieren. Zwischenzeitlich lebte ich für ein Auslandsjahr in Madrid. Nach meinem Studium arbeitete ich zunächst in London als Marketing Assistant für Georg Jensen, eine dänische Fine Jewellery & Home Marke, bevor ich vor ca. vier Jahren nach Berlin zog, wo ich bis vor kurzem als Marketing Managerin für die KaDeWe Group tätig war. Und nun bin ich dabei, Peppycorn Popcorn aufzubauen.“

Was waren deine Tätigkeiten in deinem letzten Job, also bei der KaDeWe Group?

„Ich war im Team Strategisches Marketing, das heißt, ich habe unter anderen die Medienplanung unterstützt sowie die verschiedenen jährlichen Kampagnen betreut, insbesondere in Kooperation mit den verschiedenen Marken. Zudem war ich im Bereich Tourismus tätig, also wertete ich Tax Free Zahlen und globalen Trend aus. Wie man sieht, hatte ich ein sehr breites Spektrum an Aufgaben, wofür ich nun bei der Gründung von Peppycorn extrem dankbar bin.“

Vegan, glutenfrei, wenig Kalorien: Peppycorn als gesunder Snack zwischendurch
Vegan, glutenfrei, wenig Kalorien: Peppycorn als gesunder Snack zwischendurch

Wie bist du darauf gekommen, ein Popcorn-Startup zu gründen? Solche Ideen fallen ja nicht vom Himmel.

„Nein das tun sie nicht [lacht]. Da ich sehr lange in London gelebt habe, war ich schon etwas fasziniert von dieser schnellen Essenskultur. Alles muss dort einfach schneller gehen, jeder ist super busy und trotzdem will man ja nicht auf die gesunde Ernährung verzichten. Hier in Berlin war es immer eher schwierig. Wenn man nach dem Lunch noch Lust auf etwas Süßes hatte, wurde es meistens ein Schokoriegel oder ein Muffin, voller Zucker und Zusatzstoffen. Man hat schließlich keine Zeit, sich danach noch in der Küche etwas selber zu machen. Ich fand nie einen Snack, der sowohl befriedigend, aber auch gleichzeitig leicht war (und nicht aus Gemüsesticks oder Apfel bestand). Zudem kommt hinzu, dass ich seitdem ich klein bin, süchtig nach Popcorn bin. Öfter bin ich nur ins Kino gegangen, um Popcorn zu essen. Und so führte eins zum Anderen.“

Wie haben deine Familie und dein Freundeskreis auf den Entschluss reagiert?

„Ich habe meine Familie schon sehr lange darauf vorbereitet. Ich dachte mir: Wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es eventuell nie. Meine Familie bewundert meinen Willen und meine Motivation und ist daher extrem unterstützend. Natürlich ist es immer schwierig, aus einem festen Job heraus zu sagen: Ok, ich kündige jetzt und wage diesen Schritt, um dann etwas zu machen, von dem man überhaupt nicht weiß, ob es klappt oder nicht. Aber wenn man fest an etwas glaubt und es unbedingt machen möchte, dann sollte man es meiner Meinung nach, wenn möglich, auch probieren. Die vielen Dinge, die man bei der Gründung und dem Aufbau einer Firma lernt sind kaum in Worte zu fassen.“

Wie hast du deinen Start in die Selbstständigkeit finanziert?

„Ich finanziere momentan alles selbst. Als ich noch als Marketing Managerin arbeitete, habe ich monatlich so viel es ging zur Seite gelegt. Ich wollte Peppycorn ja eigentlich schon seit fast zwei Jahren gründen und habe seitdem dann einfach jeden Monat gespart, bis ich gemerkt habe, dass ich endlich starten kann.“

Peppycorn: Popcorn als Szene-Snack
Peppycorn: Popcorn als Szene-Snack

Was hat sich alles in deinem Tagesablauf geändert?

„Es hat sich unglaublich viel geändert. Man denkt ja immer, wenn man sich selbstständig macht, hat man plötzlich total viel Zeit und ist super flexibel. Ich habe sehr schnell gelernt, dass das nicht so ist. Ich könnte zurzeit 24 Stunden non-stop arbeiten, es ist unglaublich schwer, immer seinen Tag zu strukturieren. Aber ich denke, dass ich ein ganz gutes System habe. Ich mache noch vieles per Hand, weil ich nicht viel davon halte, alles in eine App einzutippen. Ich besitze ein kleines Journal, in das ich alle To Dos aufschreibe, die mir spontan in den Kopf kommen. Ich wache morgens auf, schaue in mein Buch und lege los. So weiß ich immer direkt, was zu tun ist, denn das Buch ist jetzt schon endlos voll. Aber es passiert auch super viel spontan. Ich kriege glücklicherweise viele Anfragen von Bloggern oder anderen Startups, die natürlich schnell durchgeführt werden müssen. Man kann eigentlich nie seinen Tag komplett strukturieren oder planen, weil man immer etwas Neues zu tun hat.“

War es befreiend, den Schritt zu gehen, oder hattest du eher Angst?

„Auf jeden Fall ein bisschen von beidem. Ich gehe eigentlich eher auf Nummer Sicher. Ich habe mein Abitur gemacht und bevor ich überhaupt mein Diplom erhielt, hatte ich einen Studienplatz, und bevor ich mein Studium fertig hatte, hatte ich bereits einen Job. Es ging alles nahtlos ineinander über. Jetzt ist das erste Mal, dass ich etwas ganz neues mache. Klar habe ich mich total gefreut, mich jetzt komplett Peppycorn widmen zu können. Aber eine gewisse Angst ist da und ich denke, die ist auch ganz gut, denn nur so bleibt es spannend und man gibt sich 24/7 Mühe, damit sich diese Angst irgendwann (hoffentlich) legt.“

Gründung ohne Angst? Unvorstellbar!

Hast du Angst vor der Zukunft?

„Ich könnte nicht verstehen, wenn ein Start-Up-Gründer keine Zukunftsangst hat, na klar hat man die! Aber auf der anderen Seite glaubt man so sehr an seine Idee und an sein Produkt, sonst würde man den Schritt ja nicht wagen. Ja, ich habe Angst, aber ich bin gleichzeitig auch zuversichtlich. Ich finde man braucht wahrscheinlich eine gute Mischung aus beidem, um eine Firma voranzubringen.“

Welchen Tipp kannst du allen geben, die sich selbstständig machen wollen?

„Überlegt es euch gut und dann macht es einfach! Ich habe ja wie erwähnt International Business studiert, es kann sehr einschüchternd sein, wenn man ungefähr weiß, wie viel auf einen zukommt. Ich habe mir dann ein Beispiel an einem erfolgreichen Startup genommen, wo keiner der Gründer irgendwas in der Art Business oder Entrepreneurship studiert hat. Man muss einfach anfangen und einen Tag nach dem anderen durchziehen. Eine Hürde nach der anderen nehmen, mit einem klaren Ziel vor Augen. Irgendwann schaut man dann zurück und realisiert, wie viel man eigentlich schon geschafft hat.“

Was für Projekte planst du zurzeit?

„Ich arbeite zurzeit an verschiedensten Kooperationen sowohl mit anderen interessanten, neuen Startups als auch Bloggern und Magazinen. Parallel liegt eine weitere Priorität darin, den Peppycorn Online Shop aufzubauen und die Zahl an Resellern zu erweitern.“

Vielen Dank für deine Zeit, Alessa!

„Immer gerne! “

Peppycorn ist zurzeit Online, im Sets (Schlüterstraße 36, Charlottenburg) und im Prince (Rosa-Luxemburg-Straße 9, Mitte) erhältlich. Mehr Infos unter peppycorn.com.

Von Fanny Huth

Bildnachweis: Die Bilder sind urheberrechtlich geschützt und wurde von Alessa Rezai zur Verfügung gestellt.

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