Mangas: Eine japanische Erfolgsgeschichte

Hilfe, mein Kind liest nur Mangas. Viele Eltern können nicht verstehen, warum heute in den Kinderzimmern nicht mehr Donald Duck, Asterix oder Tim und Struppi gelesen wird, sondern Fantasywelten mit großäugigen Helden Einzug gehalten haben.

Wer Mangas für sich entdeckt, verliert schnell das Interesse an anderen literarischen Formen, was sicherlich den wirtschaftlichen Erfolg der Mangas erklärt. Alle 18 Sekunden wird ein Naruto-Buch in Europa verkauft, in Japan ist die Begeisterung dafür noch größer. Jedes neue One Piece Buch wird dort gleich über 3 Millionen Mal gedruckt.

Mit solchen Zahlen sind die Verkäufe von Mangas rekordverdächtig. Jeden dritten Monat werden bis zu 120 Bücher veröffentlicht. Welche Zeichentrickreihe kann da mithalten? Manga sind eine der Hauptsäulen des japanischen Verlagswesens. Sie machen rund 40% aller Druckerzeugnisse in Japan aus. In Deutschland beträgt der Verkauf von Comics nur ca. 3% am Markt für Druckerzeugnisse.

Mangas haben auch Mädchen zu Comic-Lesern gemacht

Die meist verkauften Genres bleiben Shônen und Shôjo. Ihre Zielgruppe: Jungs (Shônen) oder Mädchen (Shôjo). Diese Trennung der Zielgruppen ist eines der Erfolgsrezepte der Mangas. Für jeden ist etwas dabei. Mangas können für sich in Anspruch nehmen, das Genre Comics auch für Mädchen geöffnet zu haben. Superman dagegen fanden früher nur die Jungs gut. Auch für Erwachsene gibt es eigene Genres: Seinen für Männer, Joshei für Frauen. In Mangas sind alle Stilrichtungen vertreten, von Drama bis Erotik, von Dämonen bis zu Helden.

Die Mangas für Jungs und Mädchen folgen beide dem gleichen Prinzip. Humor und Aktion sind immer präsent. Die Hauptdarsteller sind meistens Waisenkinder, die sich durch ihren Mut und durch ihre Charakterstärke beweisen. Sie besitzen magische Kräfte und leben in utopischen Welten.

Cosplayer: Wenn Fans sich im Manga-Stil kleiden

Das Genre begann international insbesondere mit der Veröffentlichung von Dragon Ball ab 1993 zu boomen. Heute treffen sich bis zu 200.000 Leute auf der Japan-Expo in Paris. Man kann dort junge Leute beobachten, die sich wir ihre Lieblingscharaktere verkleiden (Cosplayers).

Doch für diese Leute steckt hinter Mangas viel mehr als nur Zeichentrick: Die Leidenschaft für Japan. „Japan eröffnet ihnen einen neuen Blickwinkel auf die Welt, der sehr witzig und anziehend ist. Die Jugend mag vor allem den süßen Kawaistil, die Gadgets und die Kleidungen“ beobachtet ein französischer Verleger.

Diese Ansicht teilt auch Tomas Behalssen, der seine Bücherei nur auf Mangas spezialisiert hat. Er fügt noch hinzu: „Die Leute, die nach 15 Jahren noch Mangas lesen sind meistens auch Videospiel- und Serien Liebhaber. Diese Generation liebt die bildliche Darstellung von Geschichten“. Laut Behlassen gibt es aber auch „anspruchsvolle Mangas für Erwachsene.“ Zum Beispiel Bride-Story (Ki-oon) in der es um ein Mädchen geht, die zwangsverheiratet wird, sie spielt im 19. Jahrhundert in Zentralasien. Eine Serie, die viele Qualitäten besitzt. Die Protagonisten etwa altern mit ihren Lesern.

Verkehrte Welt: Mangas liest man von rechts nach links

Der Ursprung des Wortes „Manga“: Manga bedeutet wörtlich übersetzt „nicht ernstzunehmendes Bild“. Der Vater des Wortes ist der japanische Künstler Hokusai. Der Manga, wie wir ihn kennen entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Magazinen, die sich nur auf gemalte Geschichten konzentrierten. Noch heute sind diese Magazine Sprungbrett für aufstrebende Mangakünstler, die sogenannten Mangakas. Das beliebteste unter ihnen ist das Jump-Magazine.

Aber Manga-Lesen will gelernt sein: „Ein Manga zu lesen ist wie in England Auto zu fahren. Erst fühlt man sich nicht wohl und ist unsicher. Aber dann plötzlich kommen die Gewohnheiten zurück.“, beschreibt ein deutscher Mangafan die Umstellung. Von rechts nach links, vom Ende zum Anfang. Ein paar Verleger passen ihre Bücher an die deutschen Kunden an, um ihren Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Von Victor Gerberding

 

Bildnachweis: By Niabot [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

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