Der Youtuber Sam Pepper hat mit einem provokanten Clip den Zorn des Hockerkollektivs Anonymous auf sich gezogen.

Machtkampf im Netz: Scheitert Anonymous an einem Youtuber?

Am heutigen Troll ISIS Day demonstrieren Anhänger und Sympathisanten des Hackerkollektivs Anonymous gegen den Terror des Islamischen Staats. Spott und Hohn sollen der extremistischen Ideologie das Fundament rauben. Dabei verlief sich eine vermeintlich kleinere Mission von Anonymous erst kürzlich im Sand.

Nach den blutigen Terroranschlägen auf Paris hielt die Welt den Atem an. Das globale Hackernetzwerk Anonymous richtete eine martialische Videobotschaft an den IS. „Diese Attentate können nicht ungestraft bleiben“, verliest der maskierte Sprecher und eröffnet damit das Cyber-Feuer gegen die Extremisten. Kurz darauf vermeldeten die Hacker erste Erfolge, während die Welt allmählich aufatmet.

Youtuber provoziert Anonymous

Nur einer scheint, im tragischsten Sinne des Wortes, den Schuss nicht gehört zu haben: Der Skandal-Youtuber Sam Pepper, bekannt für hart umstrittene Aktionen wie den Ass Grab Prank (dt. etwa: Pograbscherstreich), schockierte im Netz mit seinem wohl dreistesten Streich. Dabei ließ er den Vine-Star Sam Golbach glauben, sein bester Freund Colby Brock würde vor seinen Augen erschossen werden — von einem Vermummten, der auf makaberste Weise an einen IS-Henker erinnert.

Das Netz tobte, selbst Fans des selbsternannten Pranksters waren außer sich. „Das ist das Schlimmste, was ich je sehen musste“, kommentiert ein Zuschauer. „Runter von Youtube!“, fordert eine andere. Dann meldet sich Anonymous zu Wort. Pepper habe genau 24 Stunden Zeit, das Video offline zu stellen. Sonst würde er den „Zorn von Anonymous“ zu spüren bekommen, twitterten die Hacker.

Unter dem Hashtag #EndSamPepper ließ sich die Kampagne gegen den Youtuber verfolgen. Zwecklos versuchten seine Video-Kollegen Goldbach und Brock, den Konflikt zu entschärfen, zwischen ihnen sei schließlich alles in Ordnung. Pepper hingegen blieb stumm — und das kritisierte Video an seinem Platz.

Also machte Anonymous seine Drohung war. Auf Twitter feierten Peppers Gegner die Erfolge, die die Hacker innerhalb weniger Stunden durchgaben. Peppers Webseite sei lahmgelegt, sein Twitter-Account gäbe Fehlermeldungen. „Wir sind noch nicht fertig mit @sampepper“, twitterten die Netzaktivisten. „Wir fangen gerade erst an.“

Twitter macht Hackerangriffen ein Ende

Dann der Clou: Auf dem Profil @TheAnonMessages veröffentlichten die Aktivisten die private Telefonnummer, IP- und Wohnadresse des Youtubers. Etwas trotzig ließ dieser dann auf Twitter verlauten: „Wenn alles unter Kontrolle ist, bist du zu langsam.“ Doch plötzlich wurde es still.

Nicht Pepper, sondern Anonymous drehte der Kurznachrichtendienst Twitter den Saft ab. Der Account TheAnonMessages sei wegen seiner übergriffigen Beiträge dauerhaft gesperrt worden, bestätigten Mitglieder von Anonymous für Terminal Y. Besonders ärgerlich: Die veröffentlichte Nummer sei ohnehin nicht richtig gewesen.

The phone number of @sampepper that was leaked by @TheAnonMessages was a fake number, We are tracking down the real one. Stay tuned for more

— Anonymous (@TheAnonDatabase) December 4, 2015

Andere Accounts versicherten, die Operation sei noch längst nicht gescheitert. „Bleibt dran“, lautet der Appell an die Community. Doch der Hashtag #EndSamPepper starb allmählich aus.

Anonymous zieht sich zurück

Seine Webseite auf dem Blogging-Dienst Tumblr hat Pepper bislang nicht wiederherstellen können, Twitter und YouTube funktionieren jedoch wie gehabt. Sein nächstes Video zeigt, wie er sich von Freunden bis zum Hals eingraben lässt. Ein Zugeständnis an ehemalige Fans, die ihn leiden sehen wollen?

Ob Anonymous wie verkündet weiter gegen den Skandal-Youtuber arbeitet, ist unklar. Was bleibt, sind Zweifel an den gefürchteten Hackern, die bereits gegen die Glaubensgemeinschaft Scientology vorgingen. Schließlich hat Anonymous mit seiner „Kriegserklärung“ an den IS einen Gegner vor sich, der keinen Ablass kennt.

Von Diana Kabadiyski

Bildnachweis: Screenshots von Twitter/DigitalTrends, Youtube/SamPepper

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