Krav Maga: Israelische Nahkampftechnik zur Selbsverteidigung

Instinktiv verteidigen: Was bringt die Kampfsportart Krav Maga?

Krav Maga klingt im ersten Moment wie eine neue, trendige Form von Yoga. Tatsächlich versteckt sich hinter dem Begriff die Nahkampftechnik der israelischen Armee. Zuerst nur vom Militär und polizeilichen Spezialeinheiten genutzt, hat es Krav Maga in die Kampfsportstudios geschafft. Terminal Y hat eine Probestunde bei Krav Maga Instinct in Berlin genommen und den Sport für Euch ausprobiert. 

Krav Maga (קרב מגע) ist hebräisch und bedeutet Kontaktkampf. Bei Krav Maga geht es weniger um den Angriff, als um eine wirksame Verteidigung. Krav Maga vereint Griff- und Hebel-, sowie Schlag-, und Tritttechniken, mit denen sich jeder im Ernstfall schützen kann.

Unser Schnupperkurs findet im Sportstudio Legends im westlichen Berliner Stadtzentrum statt. Das Studio weckt bereits beim Betreten den Kampfgeist: Von der Decke hängen Boxsäcke, in der Ecke steht ein waschechter Boxring, im Hintergrund läuft ein Song von Papa Roach und immer wieder feuern sich die Kursteilnehmer gegenseitig lautstark an. „Wir schaffen absichtlich so lärmende, stressige Atmosphäre“, erklärt die Trainerin, während wir in den Boxring steigen, „Wir wollen genau das trainieren. Ihr sollt lernen mit Stresssituationen umzugehen.“

Im Notfall ist nur auf die Instinkte Verlass

Die erste Übung besteht einfach nur darin, dass wir uns zu zweit gegenüberstehen und versuchen, die Schulter des anderen zu berühren. Es geht darum, ein Gefühl für die Schritttechnik zu bekommen und die erste Abwehrhaltung zu lernen.

Krav Maga arbeitet mit den natürlichen Instinkten des Menschen.
Wir alle werden mit Abwehrinstinkten geboren, verlernen diese aber im Laufe der Zeit. Genau dort setzt Krav Maga an, denn in einer Notwehrsituation sind die Instinkte das Einzige, worauf man sich verlassen kann. „Wenn dich jemand mit einem Messer bedroht, erinnerst du dich an keine ausgefallene Technik mehr. Dein Gehirn kann nur mit seinen natürlichen Abläufen arbeiten“, erläutert uns die Expertin.

Als nächstes lernen wir, einen Angriff abzuwehren. Dazu versucht die Trainerin in einer Einzelübung, meinen Körper mit Pratzen (Schlagpolstern) zu treffen. Und während sie mit viel Geschick versucht, mir einen Schlag auf den Kopf oder Oberkörper zu versetzen, fragt sie mich ganz beiläufig: „Und was studierst du so? Und wie lange machst du das schon? Was willste denn danach machen?“

Wie ein Vorstellungsgespräch bei einem Ninja

Ich weiß gar nicht mehr worauf ich mich noch konzentrieren soll und während ich meinen Lebenslauf wiedergebe, wehren meine Arme instinktiv meinen Körper ab. Das ganze fühlt sich ungefähr so an, als hätte man ein Vorstellungsgespräch bei einem Ninja.

Die Trainerin erläutert: „Es ist möglich, seine natürliche Reaktion zu trainieren und zusammen mit einer dazu passenden Situation automatisch abzurufen. Und das in 12 Tausendstel Sekunden, noch bevor das Bewusstsein eine konkrete Gefahr realisiert.“

Als letzte Trainingseinheit wird uns gezeigt, wie man sich aus dem Würgegriff löst. Mit einem Plastikmesser wird eine wirklich realistische Szene kreiert, aus der es sich dann zu befreien gilt. Mit einer gezielten Schlag- und Tritttechnik ist das leicht möglich. Um zusätzlich den Überraschungsmoment zu simulieren, bekommen wir Augenbinden umgelegt und sollen die Technik blind anwenden. Angreifer kündigen sich nun mal auch selten an.

Krav Maga: Nicht nur Selbstverteidigung, sondern auch Stresskiller

Hinterher treffen wir uns noch auf ein Gespräch mit den Kursleiterinnen und reden über die Stunde. „Wir gucken uns die Kandidaten immer vorher an. Bei uns trainieren Männer mit Frauen in jeder Altersgruppe, damit wird erlernt mit jedem Gegner klar zu kommen, aber wir müssen sicher gehen, dass alle zusammenpassen.“

Völlig erschöpft, aber glücklich machen wir uns auf den Weg nach Hause. Denn Krav Maga ist nicht nur ein wirksames Selbstverteidigungssystem, sondern auch ein echter Stresskiller.

Text und Bild von Julia Lehrter

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