Griechenland: The never ending headline

Memoranden, Wahlen, Referenden und dann Neuwahlen. Griechenland scheint sich in den Medien festgebissen zu haben. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Schlagzeile über Hellas. Es ist ein ergiebiges Thema. Hierzulande wird es wohl kaum einen Stammtisch geben, der noch nicht über diese Sache da in Griechenland debattiert hat. Der Tenor ist meist einstimmig: „Kein Geld mehr für die Griechen. Das ist ein Fass ohne Boden“. Doch Griechenland und seine Bürger leiden, und das weitaus mehr, als gezeigt wird, denn solche Krisen treffen die am härtesten, die so oder so schon wenig haben.

Griechenlands Politik scheint voran zukommen und doch wieder zu stagnieren. Fünf Jahre ist es jetzt her, dass der damalige Ministerpräsident Giorgos Papandreou die ersten Verhandlungen mit der EU aufnahm, um sein Land vor dem Staatsbankrott zu bewahren.

Zuvor wurde Griechenland von der liberal-konservativen Partei Nea Dimokratia und der sozialdemokratischen PASOK geführt und zwar dahin wo es heute ist. Die damalige Regierungen unter Konstantinos Karamanlis (2004-09) und Andreas Papandreou (2009-11) waren maßgeblich am drohenden Staatsbankrott beteiligt, die Griechen dankten es ihnen bei den Wahlen. Konnte die Nea Dimokratia sich im Jahr 2004 noch 45% der Wählerstimmen sichern, waren es 2012 schon nur noch 19%. Die PASOK konnte in der Vergangenheit ein ebenfalls vernichtendes Resümee ziehen: In den Jahren von 2004 bis 2015 sanken Anteile von 40% auf 4,67%.  Im Januar 2015 siegte dann die linke SYRIZA und mit ihr Alexis Tsipras, der versprach mit aller Vehemenz gegen die Sparauflagen anzugehen und das Land vor weiteren Entbehrungen zu bewahren.

Denn das Spardiktat hat Spuren in Griechenlands Gesellschaft hinterlassen. Seit 2011 soll die Suizidrate um knapp 35% gestiegen sein und nicht abflachen. Vor allem Rentner sind betroffen, denen nach den Rentenkürzungen die Lebensgrundlage genommen wurde. Auch in der Athener Innenstadt macht sich die Krise bemerkbar, denn auffällig viele Geschäfte haben geschlossen. „Nach den Sparmaßnahmen blieben die Kunden weg, vor allem die Gäste in den Tavernen, sie konnten sich dann nicht mehr gegen die Konkurrenten durchsetzen“, erzählt ein Grieche, der das Athen vor der Krise noch kannte.

Noch im Juni dieses Jahres konnten die Bürger Griechenlands Hoffnung schöpfen, denn sie wurden gefragt, ob sie der Austeritätspolitik weiterhin dienen wollen. Das Votum war klar, die Mehrheit befand: Oxi. Nein. Das war die Mehrheitsmeinung. Stimmen, die Alexis Tsipras den Rücken stärkten, aber offenbar nicht von ihm gehört wurden. Denn am Freitag den 14. August brachte Tsipras das 3. Memorandum durch, als ob es das Oxi nie gegeben hätte. Nicht ohne Folgen: Die Kritik dafür kam nicht vom Volke, sondern auch aus den eigenen Reihen. Das SYRIZA- Mitglied und Parlamentspräsidentin Zoi Konstantopoulou nannte die schnelle Einigung „inakzeptabel“.

Es folgte die deutliche Ablehnung der Partei und die teilweise Abspaltung von Tsipras, der schon seinen Rücktritt einreichte. Nun hat der linke Flügel der SYRIZA seine eigene Partei, die „Laiki Enotita“ (Volkseinheit), bestehend aus 25 der 149 SYRIZA-Parlamentarier. Ein neuer Urnengang ist unausweichlich. Im September sind die Griechen zu Neuwahlen aufgerufen. Griechenland. Es ist die never ending headline.

Von Julia Lehrter

 

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