Glück: Die Vibrationen der Eudaimonie im Algorithmus des Roulette

Ist das Glück genug für ein gutes Leben? Diese Frage wird in der positiven Psychologie immer wichtiger. Fühlt es sich gut an, ein angemessenes Maß an Lebensqualität zu haben? Wissen wir wirklich was es bedeutet, subjektiv zu sein, wenn wir das subjektive Wohlbefinden des Menschen beurteilen? Hat es was mit der Chaostheorie zu tun oder nicht?

Im Jahr 384 vor unserer Zeit dachte Aristoteles, dass wahres Glück nur gefunden werden kann, wenn man ein tugendhaftes Leben führe. Er argumentierte, dass die Verwirklichung des menschlichen Potenzials das ultimative menschliche Ziel sei. Diese Idee wurde in der Geschichte von prominenten Denkern weiterentwickelt, wie die Stoiker, die den Wert der Selbstdisziplin betonten und John Locke, der argumentierte, dass das Glück durch Klugheit verfolgt werde.

Bevor im Jahr 1990 Mihály Csíkszentmihályi den Begriff des „Flow“ im psychologischen Sinne genauer untersuchte und es prägte, war das Phänomen in der Spielwissenschaft eigentlich schon bekannt: In den 1950er Jahren entdeckte der Spieltheoretiker Hans Scheuer einige Kriterien des Spiels in Verbindung zur Eudämonie die er als „Vom aktuellen Tagesgeschehen entfliehen“ oder „das völlige Aufblühen in der aktuellen Tätigkeit“ oder „in einem Zustand des glücklichen Unendlichkeitsgefühls verweilen“ hervorhebt, in dem man natürlich für immer verharren möchte.

Das Glück kam von der Straße

Die Anfänge der Eudämonie scheinen aber Jahrhunderte zurück zu liegen. Gerüchten zufolge hat der große französische Mathematiker und Physiker Blaise Pascal (1623-1662), der der Schöpfer des ersten Roulette-Rades und des Hexagons war, einen Deal mit dem Teufel gemacht, um seine Geheimnisse zu erlernen. Natürlich erzählte man sich damals solche Horror Geschichten, aber Tatsache war, dass Pascal einer der Entwickler der Wahrscheinlichkeitstheorie war und sein Roulette-Rad war ein Produkt seiner Faszination für die ewige Bewegung und nicht wegen dem Glücksspiel.

Es machte ihn einfach glücklich. Es war auch nicht besonders teuflisch, da keine Nullen darauf zu finden waren. Die Eudaimonie schritt fort, indem ein Jahrhundert später das Roulette in den Spielhallen des 18. Jahrhunderts in Paris gespielt wurde und zahlreiche Leute in einen Zustand des Glücks versetzte.

Roulette bedeutet eigentlich buchstäblich „kleines Rad“. Das Spiel hat seine Dynamik von einem alten englischen Radspiel namens „Roly-Poly“ ausgeliehen und es wurde eine doppelte Null hinzugefügt. Die doppelte Null wurde im Jahre 1843 vom Casino-Besitzer Francois und Louis Blanc aber wieder entfernt, um die Variation als europäische Roulette herauszubringen, um sich vom Angebot in einem überfüllten Markt zu unterscheiden. Es funktionierte und die Spieler rannten ihnen strömend die Türen ein.

Im Wesentlichen ist ein Roulette-Rad nichts anderes eine Art Zufallszahlengenerator, dessen Zweck es ist, Zahlen mit jetzt nachvollziehbarer Sequenz oder Bias zu werfen. Aber gibt es wirklich so etwas wie eine Maschine, die die Zufälligkeit errechnen kann? Nun, die Berechnungen sind so komplex und müssen so schnell durchgeführt werden, dass man manchmal einfach nur einen Computer in einem Schuh braucht.

Die Eudaimonie der Eudaemons

Mitte der 1970er Jahre beschlossen zwei Physikstudenten an der University of California Santa Cruz einen Weg zu finden, um besser Roulette zu spielen und damit eine wissenschaftliche Gemeinschaft zu finanzieren. Sie nannten sich die Eudaemonen, die von J. Farmer & Norman Packard geleitet wurden, die Roulette-Fanatiker waren. Der ungewöhnliche Name wurde aus dem Eudämonismus, der ethischen Richtung, entlehnt. Es sind Anhänger, die nur an das moralische Kriterium des menschlichen Wunsches nach Glück glauben.

Es war ihre Grundlage und vielleicht dachten sie, dass der Sieg sie glücklich machen wird, indem Sie versuchten, das Verhalten eines Roulette Rades vorherzusagen. Diese intelligenten Männer benutzten eine Kamera und ein Oszilloskop, um jede Bewegung des Rades des Rouletts aufzunehmen. Auf der Grundlage ihrer Beobachtungen schuf das Team einen anspruchsvollen Algorithmus, der auf vielen Variablen wie die Dauer der Raddrehung, der Rotationszeit der Kugel im Rad usw. basierte.

Die Eudaemons entwickelten dann ein kleines Gerät, der in Verbindung zu einem Computer stand. So ein ähnlicher Computer wurde bereits in den Jahren 1960-1961 von Edward O. Thorp und Claude Shannon gebaut und verwendet, obwohl es nur von kurzer Dauer war. Das System wies aber gelegentliche Schwierigkeiten auf und ihr Projekt hatte viele Probleme. Ihr größtes offensichtliches Problem war, dass damals die Technologie noch nicht so weit fortgeschritten war.

Dinge wie Emulatoren, Compiler und Debugger halten wir heute für selbstverständlich, aber damals waren sie nicht vorhanden. Stellen Sie sich vor, dass Sie Ihren PC mit Flip-Switches programmieren müssten und das ohne Output, aber Sie erhalten dafür ein paar nette Spannungsniveaus. Seitdem die Evolution des Roulettes vorangeschritten ist, sind alle Statistiken und Versuche es zu beeinflussen ohnehin irrelevant.

Statistik: Was macht Menschen glücklich?
Was macht Menschen glücklich? (Quelle: Statista)

Die Eudaemons lösten sich auf, nachdem einer der Computer defekt wurde und ein Mitglied der Gruppe dadurch Elektroschocks erhielt. Wenn Sie also das nächste Mal am Roulette-Tisch sitzen und Sie erspähen jemanden, der sich aufgrund von Vibrationen vor Schmerzen windet oder dessen Haar zu Berge stehen, dann hat dieser Mensch sicher von den Eudaemonen gehört und könnte in diesem Jahrhundert gerade die vergangenen 1970er durchleben.

Zukünftige wissenschaftliche Fortschritte können die psychologischen Merkmale des Glücks vielleicht besser darstellen. Aber bis es so weit ist, bleibt uns nur die Möglichkeit, aus jedem einzelnen Tag das Beste zu machen, um die täglichen Ereignisse zu genießen, die das Leben sinnvoll und lebenswert gestalten. Und vielleicht erreichen wir mit gewissen Tätigkeiten auch sogar ein kleines Maß an Glückseligkeit – unsere eigene Definition der Eudaimonie.

Bildnachweis: Von PIRO4D  [CC0]  via Pixabay

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